Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
710
Einzelbild herunterladen
 

710 Dr. L. Sander und Dr. Hennig.

an den Stichstellen auftreten. (Aber beim Menschen und den meisten Haustieren ent­stehen Quaddeln! Diese Angabe Stuhlmanns bedarf also der Nachprüfung.)

Dem Saugakt sollen nach demselben Autor keine lebhaften Atem- oder Würg­bewegungen des Hinterleibes vorausgehen, wie dies bei der Mücke der Fall ist. Dagegen wird das Blut auch hierwellenförmig angesaugt, d. h. es wechseln in regelmäßigen Intervallen Saugbewegungen und Ruhepausen (oder Würgbewegungen?). Zuerst füllt sich der Kropf, dann erst der Vormagen und Darm. Im Darm finden sich ständig kleine stäbchenförmige Bakterien, die zur Verdauung in Beziehung zu stehen scheinen, im Kropf die Rosahefe. Beide erzeugen keine Kohlensäure (nach Stuhlmann.)

Nach der Beschreibung anderer Autoren, die an freilebenden Tsetsen ihre Be­obachtungen angestellt haben (Stuhlmann berichtet nach Laboratoriumsversuchen), ist dagegen zu Anfang des Saugens eine lebhaftere Würg- und Atembewegung vorhanden, als im weiteren Verlauf der Blutaufnahme. Hier sind also weitere Beobachtungen noch notwendig.

An welcher Stelle des Darms die erste Anheftung der Trypanosomen stattfindet, und wie deren weitere Entwicklung vor sich geht, ist gleichfalls noch festzustellen. Im Ösophagus finden sich nach Stuhlmann keine Trypanosomen, wohl aber Entwicklungs­stadien im Vormagen. Ferner hat er festgestellt, daß auch Fliegen, die im Laboratorium geboren worden waren, Infektion liervorrufen konnten. Es müssen also die (hypotheti­schen) Sporozoiten der Trypanosomen in den Eierstock oder in die sich im Mutterleibe entwickelnde Made hinein gelangen können.

Im Rüssel der Tsetsen sind noch nach 40 Stunden, im Magen noch nach 46 Stunden nach dem Saugen an kranken Tieren (Bruce) lebende Trypanosomen aufgefunden worden und jüngst hat Koch mitgeteilt, daß es ihm gelungen, die (von mir seit 1902 stets voraus­gesagte, aber von Koch als ganz unwahrscheinlich bezeichnete) Weiterentwicklung der Tryp. brucei festzustellen. (S. oben.)

Der Stich der Tsetse als solcher macht nur etwa die gleichen, vielleicht etwas stärkeren Unbequemlichkeiten, wie der der Mücken und ist wie dieser für den einen schmerzhafter als für den anderen. Die Fliegen stechen (Lommel) nur an beschatteten Körperteilen, daher bei Tieren mit Vorliebe an der Unterseite und den Beinen, beim Menschen unter dem Hutrand.

Blutliefer ante n.

Die Tsetsen scheinen alle größeren Tiere als Blutlieferanten anzugehen, doch das eine lieber als das andere. Für die kleineren Tsetsearten der Gruppe I scheint der Mensch zu den bevorzugtesten zu gehören. Von der palpalis ist es allgemein ange­nommen, und von der 3Iorsitansuntergruppe habe ich gesehen, daß meine Träger stets eher angeflogen wurden, als die dicht daneben stehenden Maultiere und Esel. Bei der Gruppe II dagegen habe ich den Eindruck, daß Einhufer und Kamele dem Menschen vorgezogen werden.

Die kleinen Nager scheinen von den Tsetsen nicht angegangen zu werden, ebenso­wenig Vögel und sehr selten Reptilien (Christa). Sambon hält es aber für wahrscheinlich, daß wenigstens die Palpalis sogar an Fischen saugt.

Empfänglichkeit für Trypanosen.

Die Empfänglichkeit der Tiere für die durch die Tsetsen übertragenen Try­panosen steht aber in anderer Reihenfolge. So ist es seit alter Zeit fast ein Glaubenssatz, daßdie 11 Tsetse zwar mit dem großen Wilde Büffeln und Anti­lopen in innigster Beziehung stehe, d. h. doch, hauptsächlich von ihm lebe, daß aber dieses scheinbar der Nagana nicht unterworfen sei; Haustiere dagegen, vor allem Pferde, dann Rinder, Hunde, weniger Schafe und Ziegen und noch weniger Esel, 1 ) an den Stichen solcher Tsetsen, die vom Großwild kamen, erkrankten.

L Das stimmt in dieser Allgemeinheit nicht; gerade bei den grauen Eseln scheinen große Unterschiede in der Empfänglichkeit nach Rasse und Individuum vorhanden zu sein!

1

ä

i

I