Kala Äzar.
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außerhalb des Körpers geschaffen werden. Die bis jetzt vorliegenden epidemiologischen Erfahrungen lassen deutlich erkennen, daß eine an der epidemischen Form leidende Person das Krankheitsgift hei der Übersiedelung in einen anderen Ort oder Bezirk mit sich führt, und daß seine Hausgenossen zuerst erkranken. Ferner bleibt die Infektionsgefahr an einem bestimmten Hause oder einer bestimmten Örtlichkeit lange bestehen. Manche Tatsachen erinnern lebhaft an die Art und Weise, wie Ancylostomum duodenale verbreitet wird und legen die Vermutung nahe, daß die bei den meisten orientalischen Völkern so häufige Verunreinigung des Fußbodens der Häuser oder des Erdbodens der nächsten Umgebung das erste Glied in der Kette der Infektion darstellt.
In Assam ist der Boden selten trocken, dasselbe gilt von den übrigen Herden der Krankheit. Bodenverunreinigung und Ansammlung von stehendem Wasser, wie sie in der Nachbarschaft der meisten Eingeborenhütten gefunden wird, schafft wahrscheinlich für die Weiterentwicklung des aus dem Körper des Kranken ausgeschiedenen Parasiten günstige Bedingungen, und wenn, wie wir annehmen müssen, ein Zwischenwirt bei der Infektion eine Rolle spielt, so wird dieser in der nächsten Umgebung der Wohnungen, sei es im Wasser, im Boden oder in der Luft zu suchen sein.
Eine lange Reihe von Forschungen hat schon der Auffindung von Trypanosomen in den verschiedenen Tieren der Kala Äzar-Gegenden gegolten, mit Ausnahme des schon erwähnten Nachweises dieser Protozoen in Fischen (Bentley) blieben sie ohne Erfolg.
Es ist jedoch die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß mit den in menschlichen Organen gefundenen ovalen Parasiten und den aus denselben in Kulturen gezüchteten Flagellaten nicht alle Formen, welche sie annehmen können, erschöpft sind, und es können noch andere unbekannte Formen existieren, in welchen die Schädlinge in dem supponierten Zwischenwirt Vorkommen.
Unwahrscheinlich ist es dagegen, daß zwischen der Übertragung der epidemischen und der endemischen Form wesentliche Unterschiede bestehen, und es ist oft genug beobachtet worden, daß in Gegenden, über welche eine Kala Äzar-Epidemie hinweggezogen ist, endemische Fälle noch viele Jahre hindurch auftreten.
Pathologische Anatomie.
Äußeres. Im vorgeschrittenen Stadium der Krankheit ist der Körper stark abgemagert. Der Bauch ist wegen der bedeutenden Vergrößerung der Leber und Milz aufgetrieben.
Die Haut erscheint oft dunkler als normal.
Zirkulationssystem. Das Herz ist meistens klein und kann Zeichen von fettiger Degeneration auf weisen. Die Hirnarterien können ebenfalls fettige Veränderungen erkennen lassen. Bei mikroskopischer Untersuchung findet man oft die Endothelzellen der Kapillaren der Milz, Leber, des Knochenmarks usw. stark vergrößert und von der Wandung der Gefäße gelöst. In diesen vergrößerten Endothelzellen werden hauptsächlich die Parasiten angetroffen.
Respirationssystem. Der Tod wird oft durch terminale Pneumonie oder Pleuritis herbeigeführt, da Komplikationen von seiten der Lungen besonders in der kalten Jahreszeit sehr häufig sind. Kongestion der Lungenbasis wird in den meisten Fällen gefunden.
Mikroskopisch sind die Parasiten in den Lungen nur in geringer Zahl nachgewiesen worden. In einem neueren Falle von der endemischen Form war der