Das Schwarzwasserfieber.
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Bei ungünstigem Verlaufe tritt der Tod entweder ein
a) durch hochgradige Herzschwäche infolge des akuten Blutzerfalls oder
b) durch Nieren Verstopfung oder
c) durch akute Insuffizienz der hämopoetischen Organe, welche trotz Aufhörens der Hämoglobinurie keine neuen oder nur unfertige Blutelemente produzieren, vgl. weiter unten.
Häufig sah ich in der Agonie dann das Cheyne-Stokes- Atmen eintreten. Nicht selten kann es schon während der ersten 24 bzw. 48 Stunden zum Tode kommen.
Die Anurie bei Schwarzwasserfieber.
Die Anurie entsteht nach der einen Annahme durch Gerinnung des sehr eiweißreichen Urins in den Harnkanälchen, die durch die entstehenden Pfropfe mechanisch verstopft würden.
A. Plehn, der die Möglichkeit einer sekundär entstehenden Nephritis nicht leugnet, führt dagegen die Anurie auf eine primäre Verringerung des Filtrationsprozesses in den Glomerulis infolge nervöser Einflüsse zurück.
Er stellt den Vorgang in Parallele zu der manchmal bei Nierensteinkolik auftretenden Anurie. Die Stagnation und Gerinnung des Harns in den Harnkanälchen wäre demnach erst ein sekundäres Symptom.
Die Anurie könnte nach A. Plehn auch nicht durch Verstopfen der Nierenkanälchen bedingt sein, da dann die Harnkanälchen ausgedehnt sein müßten und Nierenkoliksymptome auftreten würden, was er stets vermißte.
Indeß fanden Mabchiafa und Bignami bei Anurie auch erhebliche Dilatation der Harnkanälchen.
Auch die plötzliche Herabsetzung des Blutdrucks (vgl. den weichen kleinen, meist dikroten, schnellen Puls) infolge der rapiden Zerstörung der roten Blutkörper und der Flüssigkeitsverarmung des Blutes durch Diarrhöen und Erbrechen könnte zur Erklärung der Sistierung in der Urinsekretion bei Anurie herangezogen werden. Indeß sah ich auch Fälle, wo von einer Verminderung des Blutdrucks nicht im geringsten die Rede sein konnte (Puls voll und kräftig auch bei schon eingetretener Anurie), und wo die Sektion, falls der Tod im ersten Stadium der Anurie erfolgte, eine kolossale Hyperämie der Nieren und eine akute Nephritis aufdeckte mit Schwellung und Trübung des Epithels der Harnkanälchen. Man könnte sich vorstellen, daß in solchen Fällen zwar der arterielle Zufluß nicht gehemmt war, wohl aber infolge des anatomischen, hierbei ventilartig wirkenden Baues des Nierenbeckens der venöse Rückfluß. Hierdurch würde ebenfalls eine Stagnation bedingt.
Jedenfalls habe ich im Gegensatz zu A. Plehn mehrfach das Auftreten schwerer Nierenkoliken bei Anurie gesehen, die nach den Ergebnissen der Sektionen nur durch starke Hyperämie und Erhöhung des intrarenalen Drucks zu erklären waren (siehe unten).
Öfters findet man wie auch zuweilen bei Perniciosa (vgl. diese) starken trockenen Husten!
Das von A. Plehn betonte und von mir meist bestätigte Ausbleiben ernsterer urämischer Symptome bei Schwarzwasserfieberanurie erklärte de Haan durch die bedeutende Herabsetzung des Stoffwechsels infolge der eintretenden Sauerstoffarmut des Blutes.
Übrigens sah ich in 2 Fällen auch leichte Krämpfe bei Anurie auftreten, die wohl nur als urämische zu deuten waren. Sodann kann es auch noch nach
Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. III. 37