Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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575
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Das Schwarzwasserfieber.

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Verhalten des Urins.

Farbe: wechselnd je nach der Beimengung von Urobilin (bzw. Bilirubin) und Methämoglobin von einem mehr oder weniger tiefen Braunrot, Kaffeebraun, Hellrot bzw. Schwarzrot. Zuweilen hat er die Farbe von mehr oder weniger dünnflüssigem Teer (besonders in den Fällen mit folgender Nierenverstopfung). Zuweilen gewinnt der gekochte Urin nach A. Pleiin nach längerem Stehen eine leuchtend purpur­rote Farbe, was ich in 2 Fällen bestätigen konnte.

Im Urinsediment findet man in schwereren Fällen vereinzelte Blasen- epithelien, Detritus von roten Blutkörpern, einige Nierenepithelien, selten Blut­schatten-, hyaline und Epithelzylinder. Selir selten sind rote Blutkörper. In leichten Fällen findet man überhaupt kein Sediment.

Bestimmungen des Gefrierpunktes konnten in Kamerun bisher nicht gemacht werden.

Reaktion: meist neutral oder schwach alkalisch (infolge der vermehrten Alkaleszenz des Blutes).

Spezifisches Gewicht: oft ziemlich niedrig (trotz des meist ziemlich hohen Eiweißgehalts).

a) Nachweis des Hämoglobins.

a) Durch das Spektroskop: Hämoglobin kenntlich an dem Bande zwischen C und D.

ß) Durch die HELLERsche Probe: Man versetzt den Urin im Beagensglase mit ] / 3 Volumen 10% Kalilauge. Ausfallender Niederschlag bei Gegenwart von Hämoglobin rot gefärbt.

y) Durch die Guajakprobe: Man versetzt den Urin mit gleichen Teilen von Guajaktinktur und altem verharzten Terpentinöl. Bei Gegenwart von Hämoglobin tritt dann blaue Färbung ein, manchmal auch nur blaugraue.

b) Des Methämoglohins, spektroskopisch: durch Nachweis bestimmter Absorptions­streifen, je nachdem es sich um sauren, neutralen oder um alkalischen Urin handelt, bzw. um gleichzeitige Gegenwart von Urobilin oder Bilirubin (vgl. v. Jaksch, Klinische Dia­gnostik).

c) Des Urobilins, spektroskopisch: vgl. wie unter b) bei stärkerer Verdünnung Absorptionsstreifen zwischen grün und blau. Ferner, indem man den Urin im Keagens- glase stark alkalisch macht, 810 Tropfen alkoholischammoniakalischer 10% Lösung von Zinkchlorid zufügt und schnell filtriert. Ist viel Urobilin da, schimmert das Filtrat, gegen dunklen Hintergrund betrachtet, grün, im durchfallenden Lichte rosenrot. Nach Gebhardt versetzt man den Chloroformauszug des urobilinhaltigen Harnes mit Jodlösung. Auf Zusatz von Kalilauge tritt dann prachtvolle Fluoreszenz in Grün auf.

d) Bilirubin findet sich, wie erwähnt, selten. Nachweis durch GjiELiNsche Probe-

Betr. der Bedeutung des Hämatoporphyrin für Schwarzwasserfieberurin liegen noch

keine abschließenden Untersuchungen vor.

ej Vou Eiweiß (Albumen). Die Quantität ist größten Schwankungen unterworfen. Bei der Kochprobe erstarrt zuweilen die ganze Urinsäule im Reagensglase. Charakte­ristisch ist dabei das starke Stoßen der kochenden Flüssigkeit, auf deren Oberfläche sich oft eine dicke Kruste zusammengesinterter Blutasche bildet.

Serumalbumin nachzuweisen

a) durch die allgemein bekannte Salpetersäurekochprobe,

ß) durch die Essigsäure-Ferrozyankaliumprobe,

y) durch die Biuretprobe,

S) durch die HELEERsche Probe. Letztere ist eine sehr empfindliche Probe.

Nur muß man den filtrierten Urin um das dreifache verdünnen. Wenn man dann den Harn mit Salpetersäure unterschichtet, bildet sich an der Berührungsfläche eine weiße ringförmige Trübung.