Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
571
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Dag Schwarzwasserfieber.

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Die Voraussetzung für Nissles Schlüsse ist, daß dem Schwarzwasserfieberanfalle immer manifeste Malaria voraufgeht, was meines Erachtens durchaus noch nicht für alle Fälle erwiesen. Die Schwierigkeiten der Betrachtung wachsen dadurch noch.

Ein weiteres Eingehen auf die Frage der Hämocytolysine verbietet die Enge des Raumes.

Wie kommt es nun yoii der Hämocytolyse zur Hämoglobinurie?

(Pathogenese.)

Nach Ponfick häuft sich bei paroxysmaler Hämoglobinurie das Hämoglobin der aufgelösten roten Blutkörper in der Leber an, um dort in Bilirubin umgewandelt zu werden. Im Harn tritt das Hämo­globin erst auf, wenn der Hämoglobingehalt im Blut einen Konzentrationsgrad von 1,3 pro Mille des Körpergewichts erreicht hat. Es wäre immerhin noch zu be­weisen, ob dasselbe auch bei Schwarzwasserfieber eintritt.

Eine zweite Möglichkeit des Auftretens von Hämoglobin im Harn tritt dann auf, wenn die Leber nicht imstande ist, eine selbst noch unter 1,2 pro Mille des Körpergewichts bleibende Quantität Hämoglobin zu Bilirubin zu verarbeiten. In letzterem Fa 1 le müssen also alle schädigenden Einflüsse, die un­günstig auf die Leberfunktion ein wirken, das Auftreten der Hämo­globinurie befördern (de Haan). In diesem Zusammenhänge erfährt also auch die klinische Erfahrung, wonach Alkoholiker beson­ders zu Sch war z Wasserfieber disponiert sind, eine neue Beleuch­tung, indem die durch Alkohol geschädigte Leber nicht wie eine normale funktioniert. Als ähnliche S c h ä d i g u n g e n wirken nach de Haan lange dauernder Aufenthalt in den Tropen und häufige Malariaanfälle (vgl. Lübbert).

Wie aus dem Vorstehenden schon theoretisch hervorgeht, und wie von anderen Autoren und vom Verfasser schon wiederholt auch klinisch festgestellt ist, kann Hämo- globinämie stunden- und tagelang bestehen, ohne daß Hämoglobinurie folgt, und ebenso kann Hämoglobinämie sich noch finden, wenn die Hämoglobinurie schon verschwunden ist. Man hat auch angegeben, daß von den Bestandteilen, die sich im Harn der Schwarzwasserfieberkranken finden, zu­nächst Albuinen, dann Pepton, dann Urobilin, dann zuletzt erst Methämoglobin bzw. Hämoglobin zur Ausscheidung gelangte.

Nach meinen Erfahrungen kann aber die Hämocytolyse sich auch zuerst als Urobi 1 inurie äußern, ohne daß Albuminurie bzw. Peptonurie vorhergegan gen ist. Die Tatsache steht jedoch fest, daß Met- hämoglobi nurie und Hämoglobinurie zuletzt au ft re teil und nur dann, wenn es sich um stärkere Hämocytolyse handelt, bei der die Leber unfähig ge­worden, das gesamte gelöste Hämoglobin zu verarbeiten.

Das ist von großer diagnostischer und therapeutischer Wichtigkeit, indem man bei Schwarz Wasserfieberkandidaten aus vorhergehender Urobilinurie bzw. Al­buminurie auf Hämocytolyse schließen kann.

Bemerkenswerterweise fehlt im Urin der Schwarzwasserfieberkranken meist Bilirubin, auch wenn im Blutplasma gleichzeitig Urobilin und Bilirubin sich finden.

Dies alles spricht dafür, daß es bei der Hämoglobinurie sich zunächst nicht um eine einfache Filtration des hämoglobinhal­tigen Serums in den Nieren handelt, sondern daß die Epithelzellen der Niere dabei eine aktive Rolle spielen, indem sie das Hämo-