Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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Das Schwarzvvasserfieber.

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Ätiologie des Schwarzwasserfiebers mul Pathogenese.

Betreffs der Ätiologie herrschte früher größte Verwirrung der Anschauungen, indem man das Schwarz Wasserfieber entweder

a) als Krankheit sui generis oder

b) als schwerste Form der Malaria, oder mehr oder weniger

c) als einfache Chininintoxikation an sah.

Die früheren Verwechslungen mit Gelbfieber haben wir schon erwähnt.

Ad a) Jersin nahm einen besonderen feinen Bazillus als Erreger der Krankheit an, was sich nicht im geringsten bestätigte, ebensowenig w T ie die Angabe Doünys und Vedys über eine besondere causa morbi. F. Plehn beschrieb einen Blutparasiten als Erreger, der sich nach seiner Beschreibung ganz zweifellos von den gewöhnlichen Perniciosaparasiten unterscheiden würde, den er aber später mit den Perniciosaparasiten identifizierte. Auch die Mitteilung Fisciis über die ätiologische Bedeutung eines doppelt- konturierten, schwer färbbaren Parasiten bestätigte sich nicht.

Auf die neuerdings aufgestellte Hypothese, wonach Schwarzwasserfieber auf eine Mischinfektion von Malaria und Piroplasmose zurückzuführen sei, brauchen wir nicht näher einzugehen, da sich Piroplasmen im Blute der Schwarzwasserfieber­kranken bei Kontrolluntersuchungen nie nachweisen ließen.

Jetzt kann definitiv die Anschauung, wonach das Schwarz­wasserfieber als Krankheit sui generis aufzufassen sei, als wider­legt gelten.

Ad b) Die Franzosen, Sc hell ong und Steudel, auch der Japaner Jada betrachteten dagegen das SchwarzWasserfieber früher als die schwerste Erscheinungsform der Malaria und verordneten da­her Chinin und zwar in sehr hohen Dosen, Steudel zu 68 g pro die.

Speziell die sorgfältige Monographie Steudels, die auch klinisch und thera­peutisch das Thema ausführlich behandelt war, geeignet, diese Anschauung zu stützen, da Steudel bei seiner Behandlung einen äußerst günstigen Prozentsatz an Mortalität (nur 1617 %) gegeu früher 50 % und mehr erzielte. Wir werden später noch sehen, daß nicht die Chininbehandlung, sondern die gute klinische und symptomatische Behandlung des geschickten Arztes dieses günstige Resultat veranlaßte.

Ade) Der Anschauung, wonach Schwarz Wasserfieber die schwerste Form der Malaria sei und mit kräftigen Chinindosen zu behandeln wäre, traten die Gebrüder Pleiin und R. Koch energisch entgegen.

Schon vorher hatte der ausgezeichnete Forscher Tomaselli Schwarzwasser­fieber nur eintreten sehen bei Malarikern bzw. früheren Malarikern, die der Chinin­therapie unterworfen wurden und im Chinin das ätiologische Moment erblickt. (Nach Cardamatis hätte der griechische Militärarzt Berettas schon 1890 und Cardamatis selber 1878 auf die ätiologische Bedeutung des Chinin aufmerksam gemacht.)

Ko c ii, der dieselbeErfahru ng machte,faßte da her dasSchwarz- wasserfieber als Chininintoxikation bei Leuten auf, bei denen sich die Disposition zu Schwarzwasserfieber durch die Kombination der Wirkung von Malaria und Klima herausgebildet. Unter seinen Schülern betonte besonders Kleine die ätiologische Bedeutung des Chinins.

Leider wurden die Worte R. Kochs fast allgemein so aufge­faßt, daß das Chinin die eigentliche causa nocens des Schwarz-

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