Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
568
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Dr. Hans Ziemann.

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Worin bestellt denn nun aber das eigentliche Wesen des Schwarz­wasserfiebers'?

Da es sich dabei um akute Erythrocytolyse handelt, war es anfangs nur natürlich, in den roten .Blutkörperchen auch die Angriffspunkte für die hämocyto- lytisch wirkende causa des Schwarzwasserfiebers zu suchen und bei Schwarzwasser­fieberkandidaten eine abnorme Blutbeschaffenheit vorauszusetzen.

Leider führten die darüber angestellten Untersuchungen bis jetzt zu keinem eindeutigen Resultate.

Bigxami und Bastiaxelli führten die Verminderung der Widerstandskraft der roten Blutkörperchen gegen die hämocytolytisch wirkende Noxe auf die ana­tomischen Veränderungen der hämopoetischen Organe zurück. Bei Besprechung der anatomischen Veränderungen des Knochenmarks werde ich darauf zurückzukommen haben. A. Plehx machte dagegen geltend, daß dann Schwarzwasserfieber doch viel häufiger sein müßte in Gegenden mit häufiger chronischer Malaria (wo es zu Milztumoren kommt, wie z. B. in Italien). Auch sah ich, im Gegensatz zu Nocirr, schwerstes Schwarzwasserfieber selbst bei kaum nachweisbarem Milztumor und bei kräftigsten Leuten eintreten, die, äußerlich wenigstens, keine Zeichen einer Blut­dissolution aufwiesen.

A. Plehx führte die Verringerung der Resistenz der roten Blutkörper (und damit die Disposition zur Hämocytolyse) darauf zurück, daß die blutbildenden Organe durch die fortgesetzt hohen Anforderungen, welche die anämisierende Wirkung der latenten Malariainfektionen an ihre Leistungen stellt, zeitweise funktionell erschöpft würden. Dieselben könnten dann, insbesondere nach gehäuften akuten Pieberanfällen, nach Ernährungsstörungen und Entbehrungen den gesteigerten Bedarf des Organis­mus nur noch mit einem qualitativ minderwertigen Material decken.

In der Tat kann man nun im Blute von Schwarzwasserfieberkandidaten vor dem Anfalle beobachten:

1. öfter das gehäufte Auftreten von basophilen und polychromatophilen roten Blut­körpern, welche während des Anfalls meist mehr oder weniger völlig verschwinden, da sie als wenig resistente Gebilde zuerst zugrunde gehen;

2. öfter eine schnelle Auflösung der roten Blutkörper in Kochsalzlösungen, in denen normale rote Blutkörper sich noch nicht auflösen (vgl. Abschnitt über allgemeine Patho­logie der Malariahypotonie). Die bezüglichen Beobachtungen sind aber noch nicht zahl­reich genug, um Gesetze daraus ableiten zu können;

3. eine, oft sehr ausgesprochene, Verminderung der Gerinnungs­fähigkeit des Blutes. Diese habe ich, im Gegensatz zu Murki, in allen von mir da rauf unter such ten Fällen feststellen können.

(Ich möchte diesen Befund zur ev. Erklärung für die nicht selten nach Eintritt von Schwarzwasserfieber einsetzende hämorrhagische Diathese mit heranziehen.)

In manchen Fällen waren aber diese Merkmale (mit Ausnahme des unter 3 erwähnten), auch nicht festzusteflen, speziell auch nicht immer in solchen, bei denen es kurz nach dem Überstehen des einen Schwarzwasserfiebers zu einem Rückfall kam.

Hinsichtlich Volumen, F o r m und Farbe der roten B1 u t - k ö r p e r und des spezifischen Gewichts verhielt sich das Blut der S c h w a r z w a s s e r f i e b e r k a n d i d a t e n genau wie das normaler Menschen, um erst nach Ausbruch des Schwarzwasserhebers (aber nicht immer) deutlich eine Neigung zu Deformationen der roten Blutkörper auf zu weisen.

Murki speziell versuchte auch das Medium, in dem sich die roten B1 utkörper seiner mit so enormerNeigung zur Hämocyto 1 yse

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