Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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562
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Dr. Hans Ziejiann.

Beziehungen zur Däner des Aufenthalts in Schwarzwasserfieber­gegenden und zur Häufigkeit der Malaria.

Bemeikenswerterweise tritt Schwarzwasserfieber meist erst nach längerem Aufenthalte in Schwarzwasserfiebergegenden auf, um nach eingetretener relativer Malariaresistenz immer seltener zu werden. Besonders während des 2.3. Jahres wächst die Disposition zu Schwarzwasserfieber.

Unter den 158 Fällen von B£renger-F£raud trat 1 nach dreimonatlichem Aufenthalt in einer Schwarzwasserfiebergegend auf, 10 während der ersten 12 Monate, 42 während des 2., 79 während des 3., 37 während des 4., 9 während des 5. Jahres und 8 während der folgenden. A. Peehn und ich selbst kamen in Kamerun zu ähnlichen Resultaten. Bianchini sah am Kongo während des ersten Jahres die Europäer nur selten erkranken. 98 °/ 0 der Fälle entfielen auf das 2. und 3. Jahr.

In Senegambien wurden von 100 Schwarzwasserfieberkranken 6 im ersten Jahre des Aufenthalts betroffen, 22 im 2., 43 im 3., 20 im 4. und 9 nach länger als 4jährigem Aufenthalt.

In einem Falle sah ich bereits nach 6 wöchigem Aufenthalt in Kamerun Schwarz- wasserfieber bei einem Kaufmanne, der seit Ankunft ständig an nicht sachgemäß be­handelter Malaria gelitten und unter trostlosen äußeren Verhältnissen gelebt hatte. In einem Falle soll sogar unmittelbar nach Ankunft im Kongogebiet, ca. 27 Tage nach dem Ver­lassen einer malariafreien Gegend Belgiens, Schwarzwassei fieber gleichzeitig mit dem ersten Malariafieber aufgetreten sein (Mense). Auch Schlayer sah Schwarzwasserfieber bereits im Anschluß an die erste Malaria auftreten. Solche Fälle sind aber große Ausnahmen.

Im übrigen sind diese Zahlen, wie auch speziell das Zahlenverhältnis der Schwarz­wasserfieber- zu den Malariaerkrankungen einer Gegend, sehr abhängig von der in den einzelnen Jahren schwankenden Intensität der Malaria, vielfach auch von der Art der Malariaprophylaxe, Therapie und dem allgemeinen Komfort, sowie von der Beobachtungs­gabe der Ärzte. Sie sind daher meist etwas cum grano salis zu verstehen. W ährend z. B. nach Burot und Legrand am Senegal und am Sudan 1 Fall Schwarzwasserfieber auf 5 Malariafb her kam. in Benin 1 auf 21.2, in Cocliinchina 1 auf 66,4. kam in Kamerun nach F. Blehn 1 auf 12, nach meinen Erfahrungen 1 auf 18 Fälle. (Vgl. auch die An­gaben von Stephens und Christophers in Ostindien mit denan ihrer Vorgänger etc.)

Beziehungen zu den Lebensaltern und Geschlechtern.

Relativ verschont sind Kinder und Greise, letztere, wenn sie sich vorher in der betr. Malaria- und Schwarzwasserfiebergegend akklimatisiert haben.

In einem Falle Vincenzis rief Chinin bei einem an Malaria erkrankten Kinde Schwarz­wasserfieber schon bei der ersten Verabreichung hervor, und es verschwand diese Idiosyn­krasie auch später nicht.

Frauen sind durchaus nicht immun.

Individuelle Disposition

ist zweifellos vorhanden und es scheint ein einmaliges Überstehen von Schwarz Wasser­fieber keine Immunität zu hinterlassen. Im Gegenteil zeigt sich eine Neigung zu wiederholtem Auftreten des Schwarzwasserfiebers, wenn die Malaria nicht gründlich beseitigt wird. Eine gewisse hereditäre Disposition wurde von Tomaselli ange­nommen. In der Tat kenne ich mehrere Familien, deren sämtliche Mitglieder in Afrika (Kamerun) unter schweren und wiederholten Schwarzwasserfieberanfällen zu leiden hatten. Gichtische Diathese (Cardamatis), Hämophilie und voraufgegangene Syphilis, die früher als disponierendes Moment z. T. angesehen wurden, sind wohl ohne Einfluß, jedenfalls ohne direkten.