Das Schwarzwasserfieber.
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ebenso bei Überimpfung von Blut einer Tierspezies auf eine andere. Auch infolge von Kälte und großen Anstrengungen kann es bekanntlich zu Hämoglobinurie kommen.
Von allen diesen Hämoglobinurien unterscheidet sich aber das Schwarz Wasserfieber stricto sensu ätiologisch schon dadurch, daß es nur bei Leuten auftritt, welche bereits an Malaria gelitten haben oder noch leiden.
Meines Wissens hat Berenger-Feraud 1874 als erster das Schwarzwasserfieber als eine Krankheit erkannt, die in ätiologischer Beziehung zur Malaria steht. In gleichem Sinne arbeiteten Pellarix, Corre und andere Franzosen. Vor diesen Forschern war das Schwarz Wasserfieber wohl allgemein mit Gelbfieber verwechselt worden, um so mehr, da Schwarzwasserfieber auch in Gelbfiebergegenden, wie z. B. in Oberguinea und Westindien, Vorkommen kann.
Noch 1895 betonte Below die Gelbfiebernatur des Schwarzwasserfiebers, bis F. Plehn und Kohlstock endgültig diese Meinung widerlegten (vgl. Differentialdiagnose und die Arbeit über Gelbfieber in diesem Handbuche).
Um die Kenntnis des Schwarzwasserfiebers machten sich außer den genannten Autoren noch besonders verdient auf italienischer Seite Tomaselli, Grocco, Murri und Bastianelli, Marciiiafava und Bignami, auf griechischer Karamitsas und Cardamatis, auf deutscher vor allem Sciiellong, Steudel und besonders A. und F. Plehn, ß. Koch, ferner Panse und Nocht, auf englischer Stephens und ClIRISTOPHERS.
Geographische Verbreitung.
Schwärzwasserfieber findet sich am häufigsten und intensivsten in Gegenden mit schwerer Malaria, besonders in manchen Tropengegenden. Hauptsächlich scheinen Gegenden befallen zu sein, wo der Unterschied zwischen den einzelnen Malariasaisons ziemlich verwischt ist, und wo ständig neue Malaria-Infektionsgefahr besteht, der Organismus sich also nicht in fieberfreier Jahreszeit von den Folgen der Malaria erholen kann. Wenn in manchen tropischen Gegenden wenig oder kein Schwarz Wasserfieber vorkommt, z. B. in Westindien, obgleich die klimatischen Bedingungen ähnlich sind wie in berüchtigten Schwarzwasserfiebergegenden, so liegt das nach A. Plehn daran, daß die ersteren Gegenden kultivierter sind, durchschnittlich mehr Komfort bieten und häufiger Gelegenheit zu Erholungsreisen.
Wie wir später sehen werden, spielt dabei möglicherweise auch noch ein anderer Grund mit. (Verschiedene Virulenz der Malariaparasiten in den betreffenden Gegenden.)
Auch würde, wenn A. Plehn’s Erklärung die einzige wäre, nicht recht ersichtlich sein, warum Schwarz Wasserfieber z. B. in Griechenland relativ häufig, in Algier und in der römischen Campagna so selten ist.
Die Häufigkeit und Intensität kann sehr wechseln.
In Europa ist es, wie oben erwähnt, relativ häufig in Griechenland, wo es während der Erdarbeiten am Kanal von Korinth starke Verheerungen unter den Arbeitern anrichtete. Pampoukis will in Athen unter 300 Fällen von Perniciosa 156 Schwarzwasserfieberfälle gesehen haben. Nicht ganz selten ist es auch in Süditalien und Sardinien.
Während der schweren Malariaepidemie in Wilhelmshaven, gelegentlich der Hafenbauten in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, soll es auch dort ganz vereinzelt vorgekommen sein. Daß sporadische Fälle noch jetzt in Nordeuropa ent-