Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
532
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l)r. Hans Ziemann.

B) Vernichtung der erwachsenen Moskitos

spielt als allgemeine Maßnahme für die Malariaausrottung' nur eine relativ geringe Holle. Gewiß, der Anopheles ist ein Haustier. Man muß daher erwarten, ihn auch im Hause und in den Tierställen vernichten zu können. 31 an kann in den Malariagegenden Deutsch­lands, z. E. im Eudjadingerlande am Jadebusen, Hunderte von Anopheles maculipenis im Keller und in dunklen Wohnriiumen im Spätherbst hängen sehen. Ein systematischer Kampf ist also in Kulturländern zweifellos möglich, am besten gegen die überwinternden Weibchen. Die undichte Hütte der Eingeborenen tropischer Gegenden beherbergt den Anopheles aber vorzugsweise nur zur Nachtzeit. Fortwährend fliegen neue von außen zu und wieder fort, trotz des meist die ganze Nacht qualmenden Hauches des Herdfeuers. Eine systematische Bekämpfung d e r 31 a 1 a r i a du r c h Vorgehen gegen er­wachsene Moskitos ist also namentlich in den Tropen ausgeschlossen.

Zur Vertreibung der erwähnten Moskitos aus den Wohnungen wurden versucht Terpentinöl, Jodoform, Mentol, Muskatnuß, Kampfer, Knoblauch, ferner Häucherungen mit Tabak, Insektenpulver, frischen Eukalyptusblättern von betäubend oder ätzend wirken­den Riechstoffen. Auch Häucherungen mit Quassiaholz, Chrysanthemumblättern, Pyrethrum, Schwefel und Chlor wurden versucht. Insbesondere Schwefeldioxyd, gewonnen durch Verbrennen von reinem Schwefel, wirkte sehr moskitovertreibend und tötend, ist daher in Malariagegenden in verschmutzten winkeligen Häusern, die viele Anophelinen beher­bergen, unter gewissen Umständen sicher zu empfehlen.

Celli und Oasagrandi empfahlen einen Eßlöffel voll Zanzolina, bestehend aus einer Mischung von Chrysanthemumblüten. Valerianawurzel und Larvizid, zu verbrennen, welches in einem Raum von 3040 cbm die Moskitos einschläfert.

Fermi und Lumbao fanden zur Vertreibung der erwachsenen Anopheles wirksam ein Pulver, bestehend aüs einer Mischung von Ealdrianwurzel, Pyretlnim, Chrysanthemum­blütenpulver, Salpeter und Calamus aromaticus.

Des wissenschaftlichen Interesses halber erwähne ich noch einen Versuch Galli- Valerios und Hochaz de Jonges, welche durch künstliche Infektion mit einem Pilze (Aspergillus niger) eine oft tödliche Erkrankung der Culex- und Anopheleslarven erzielen konnten.

3. Hydraulische und agrarische Assanierung.

Außer zur direkten Vernichtung der Anophelinen, sei es als Larven oder als erwachsene Moskitos, müssen wir nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die Anophelinen überhaupt keine Entwicklungsbedingungen finden. Dazu ist die Be­seitigung aller Sümpfe und stagnierenden Wassermassen im großen notwendig. Dieselbe kann natürlich nur dort in Frage kommen, wo finanziell und hygienisch ein Gewinn zu erwarten ist, also in Ländern mit etwas vorgeschrittener Kultur.

Man bewirkt diese Assanierung durch Trockenlegung der Sümpfe, Korrektion der Flüsse usw. Die erstere kann erfolgen entweder durch Aufschütten von Erde usw. oder durch Drainieruug und zweckentsprechende Kanalisation. Welche Maß­nahmen man wählen wird, muß stets von Fall zu Fall entschieden werden.

In Italien sah Verf. z. E. in denValle di Comacliio südlich von Venedig, früher einem berüchtigten Fieberorte, wie durch Dampfmaschinen das Wasser von den Sümpfen angesogen und durch einen Kanal dem Adriatischen Meere zugeführt wurde. Man ge­wann so fruchtbarstes Ackerland. Ähnlich geht man bei den Sümpfen von Makkarese und von Ostia im Tiberdelta vor.

In den Marschen Deutschlands hat die zunehmende Kanalisation außerordent­lich zur Bekämpfung der Malaria beigetragen.

Speziell hat im Budjadinger Lande die Erbauung eines das Land quer durch­setzenden Kanals den Abfluß allzu stagnierender Wassermassen gestattet, ebenso in Olden­burg die Erbauung des Ems-Jade-Kanals.