Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
526
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Dr. Hans Ziemann.

Warum also nicht das instinktive Gefühl des Laien hinsichtlich Individuali­sierung der Selbstbehandlung und der Prophylaxe in richtige gemäßigte Bahnen lenken! So mancher in den Tropen ganz auf sich angewiesene und einsam in der Wildnis lebende Laie ist ja so wie so sein eigener Arzt. Darum eine Prophylaxe, welche unbedingte Regelmäßigkeit hinsichtlich der Zeit der Chinindosen fordert, aber dem Laien selber eine Individualisierung hinsichtlich des Chininquantums gestattet. Darum eine Prophylaxe, welche im Bedarfsfälle verstärkt und modifiziert werden kann, welche deshalb wirksam ist, keine Belästigungen und keinen Widerwillen schafft, und bei der doch Chinin in genau abgemessenen Zeiträumen, aber ev. in wechselndem Quantum im Körper zirkuliert!

Spezielles über die 41 ä g i g e U n i v e r s a 1 p r o p h y 1 a x e.

Ich verordne daher zunächst

1. 1 g Chinin alle 4 Tage. so daß 3 chin in f reie Tage daz wischen liegen, zusammen mit etwas Salzsäure (vgl. Therapie), tritt stärkeres Ohrensausen und Zittern ein, zusammen mit 1 g B r o m k a 1 i.

2. 1 g Euchinin, wenn die Wirkung von 1 g Chinin zu stark, ev. mit 1 g Bromka 1 i. Wenn auch nach IgEuchinin zu starke Chinin­wirkung auf tritt, dann

3. Vi» g Chinin, sonst ganz wie ad 1 mit etwas Salzsäure (völlig ausreichend für mildere Malariagegenden).

4. 1 '2 g Euchinin, wenn auch V 2 g Chinin nicht vertragen wird, sonst wie oben.

Das Chinin wird zunächst Morgens verordnet, da die Fieber meist zwischen 10 a. m. und 5 p. m. einsetzen und Chinin bekanntlich 45 Stunden vor dem An­falle am besten wirkt.

Wird die Prophylaxe morgens nicht vertragen, so wird dieselbe Chinindosis abends IC 22 Stunden nach Tisch genommen.

Wer die Chinintage nicht im Kalender vermerkt, nehme das Chinin am 1. des Monats und an allen durch 4 teilbaren Daten, also 1., 4., 8., 12., 16. etc.

Jedenfalls soll man nach Möglichkeit bei dem einmal eingeschlagenen und als nicht lästig empfundenen Modus bleiben. Wie man sieht, gestattet diese Methode unter Berücksichtigung von Alter und Konstitution bei zeitlicher Regel­mäßigkeit eine weitgehende Individualisierung hinsichtlich des zu nehmenden Chinin­quantums in allen beliebigen Malarialändern. Bei strikter Befolgung kann man unbedingt alle schweren Fieber verhüten und, wenn doch ein milderes Malariafieber auftreten sollte, durch meine erwähnte verschärfte Prophylaxe gefolgt von der ge­wöhnlichen 4 tägigen die Rezidive allermindestens sehr reduzieren. Der Schutz gegen Schwarzwasserfieber ist scheinbar ein absoluter, falls gleich nach der Ankunft in der malariaverdächtigen Gegend mit der Prophylaxe begonnen wird. Die Pro­phylaxe beginnt bei der ersten Ausfahrt am besten schon, wenn der Wendekreis erreicht wird, da es Tatsache ist, daß bereits auf den Dampfern die Infektion erfolgen kann. Jedenfalls fand ich bereits öfter Auoplielinen an Bord der westafrikanischen Dampfer. Die Prophylaxe ist während der Heimreise und noch 23 Monate in der Heimat fortzusetzen; bei denen, die nur auf wenige Monate auf Urlaub gehen, während des ganzen Urlaubs.

Zur Illustrierung der enormen Wichtigkeit einer regelmäßigen Chininprophylaxe überhaupt, speziell für Länder mit intensivster Malaria, füge ich untenstehende Tabellen