Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
460
Einzelbild herunterladen
 

460

I)r. Hans Ziemann.

1. Das Serum des Negers, welcher früher auf experimentelle Malariaimpfung nicht ) reagiert hatte, und auch bei wiederholten Blutuntersuchungen keine Parasiten gezeigt hatte (Milzpunktion wurde nicht vorgenommen, da kein Milztumor vorhanden war), wurde gemischt mit dem Serum eines eben aus Europa kommenden Mannes, der noch kein Chinin genommen hatte und als malariafrei zu betrachten war und zwar im Verhältnis von 1:4, 2:4, 3:4, 4:4, 4:3, 4:2, 4:1. Eine Trübung fand nicht statt.

2. Derselbe Versuch fand statt in demselben Mischungsverhältnis mit dem Serum des scheinbar immunen Negers und dem Serum eines perniciosakranken Negerkindes, eben­falls ohne Resultat. Indeß sollen die Versuche noch fortgesetzt werden.

g) Basophile Körnung (Körnige Degeneration). Polychroma- t o p h i 1 i e (K a r y o c h r o m a t o p h i 1 i e).

Aus der Verminderung der roten Blutzellen und dem Auftreten von Makro- und Mikroeyten usw. kann man keinen Schluß auf das Bestehen von Malaria­infektion ziehen, da diese Symptome sich auch bei anderen Blutkrankheiten finden. Dagegen lenkt, wie erwähnt, die basophile Körnung der roten Blutzellen in Malaria­gegenden bei Patienten, welche schon an Malaria litten, bzw. bei bis dahin angeblich gesunden den Verdacht auf latente Malaria, ebenso stärkeres Auftreten von Polychro- j matophilie, auch ohne daß Malariaparasiten vorhanden sind. Ich sah die Basophilie 3 bei solchen Leuten nach energischer Chininisierung stets schwinden, während die ] Polychromatophilie sich im Blute noch etwas länger behaupten konnte. Man wird I daher die betreffenden Patienten einer genauen Beobachtung und sorgfältigen Pro- I phylaxe unterwerfen. Bezüglich der Isotonie (Herabsetzung des Gefrierpunktes), Ver- | änderung des spezifischen Gewichtes des Blutes usw. vgl. Allgem. Pathologie der | Malaria. j

B) Klinische Diagnose. j

Man stellt dieselbe aus dem klinischen Befunde und aus der Art der Chinin- ; Wirkung. Indeß kann es bei positiver Chininwirkung sich auch um eine andere 5 Erkrankung gehandelt haben, die eben ganz unabhängig von dem Chinin zur Heilung i gelangte. Umgekehrt kann man aus der Nichtwirkung von Chinin, falls dasselbe tagelang hintereinander zur richtigen Zeit in wirksamen Dosen von mindestens 1 g ; und in schweren Fällen von 2 g gegeben wurde, schließen, daß es sich nicht um j Malaria gehandelt hat.

Nach Laveran ist, wenn nach 4 tägiger Chiningabe ä 1,52,0 das Fieber i nicht gewichen ist, keine Malaria anzunehmen. Diese Angabe trifft für schwere tropische Fieber nicht ganz zu, wenn es sich um eingewurzelte, schlecht oder gar nicht behandelte Fälle handelt mit gleichzeitigem Auftreten von Gametocyten. '

Wie SkGARD aus Madagaskar berichtet, beginnen dort die Malariafälle meistens als Remittens oder Continua, um in diesem Stadium 67 Tage zu verharren und dann erst den Tertiantypus anzunehmen. Das Chinin sollte auf die Anfangsstadien der Malaria- ) infektion dort nur geringen Einßuß üben! Vgl. die früheren Angaben über Kameruner Perniciosa.

Die klinische Diagnose der typischen, also intermittierend \ verlaufenden Tertiana Simplex und Quartana bzw. Quarta na dupli- ; cata dürfte leicht sein, da keine anderen Krankheiten längere Zeit hindurch einen solchen eigenartigen, intermittierenden Fieber­typus zeigen, beginnend mit Frost, Hitze und Schweiß. Handelt es sich um Quotidianfiebertypus, bedingt durch Tertiana duplicata oder Quartana tri- plicata, können schon eher Verwechslungen mit anderen fieberhaften Erkrankungen