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Dr. Hans Zikmann.
Ich fand die Piroplasmose der Rinder in Deutschland z. B. bei einem jungen Kalbe, das mit dem Blute einer angeblich schon längst von Blutharnen genesenen Kuh geimpft war. j i
Koch selber modifizierte noch kürzlich seine früheren Anschauungen über! diesen Punkt bezüglich der Trypanosomenkrankheit der Tiere, indem es ihm gelang,j durch Überimpfung großer Blutmengen scheinbar parasitenfrei und also immun ge-; : wordener Tiere auf nichtinfizierte eine neue Infektion hervorzurufen. | i
Die früheren Anschauungen, daß die Eingeborenen durch Überstellen der Malaria ' eine Immunität bekämen, verführte zeitweise zu einem Kampfe gegen das Chinin über- haupt, indem man die Heilung dem Immunisierungsprozeß des Organismus überlassen j wollte. Wenn schon bei Tertiana und (^uartana dies ein riskantes Unternehmen ist, so •.* würde bei schwerer Perniciosa das unglückliche Opfer den Versuch mit dem Tode oder $ mit lang dauernder Anämie bzw. steter Neigung zu Rezidiven bezahlen. j 1
Angeborene Immunität (Resistenz) gegen Malaria.
Bevor wir an eine weitere Erörterung des Wesens der Immunität treten, sei noch die Frage der angeborenen Immunität oder, nach Büchner besser Resistenz, gegen Malaria, kurz gestreift.
In allen Malariazonen gibt es Leute, welche trotz Mangels an allem Komfort nicht an Malaria erkranken. Wir sehen natürlich ab von Leuten, die aus irgend l welchen Gründen (Gerüchen usw.) nicht von Anophelinen gestochen werden undj deswegen auch nicht an Malaria erkranken. ”
Ich selbst sah in den Maremmen von Toskana bei Grosseto einen Aufseher, der in ungemein gefährlicher Malariagegend angeblich niemals an Malaria erkrankt war, auch als Kind nicht, was von seinen Angehörigen aufs bestimmteste versichert wurde, und dessen Vater ebenfalls malariaimmun gewesen sein soll. Seine beiden Söhne litten häufiger an wenn auch leichter Perniciosa. Celli fand sogar ein Individuum, das gegen experimentelle Malaria völlig immun war, und dem beträchtliche Mengen von injiciertem Tertiana- und Perniciosablut nichts schadeten.
Der Zweifel ist immerhin berechtigt, ob nicht doch derartige Personen in frühester Jugend eine Malariainfektion durchgemacht haben, welche ihnen ausnahmsweise einen absoluten Schutz gegen spätere Malaria verschaffte.
Bekanntlich zeigen aber auch viele Personen eine individuelle, angeborene Resistenz gegen Scharlach, Masern, Pocken etc., während ihre Mitmenschen erkranken.
Die angeborene individuelle Resistenz im Sinne Buchner's kann eine absolute sein, oder eine relative, indem die Resistenz durch besondere Eingriffe, durch Hunger, Durst, abnorme Temperatur usw. schwinden kann.
Wir wissen neuerdings durch die Untersuchungen von Büchner, Nett all, Fodor u. a., daß die Säfte jedes normalen Körpers, besonders das Blutserum, Bakterien- und Parasiten tötende Körper enthalten. Es ist möglich, daß die Leuko- cyten an der Produktion dieser Schutzstoffe beteiligt sind. Ob man nun diesen,, von Büchner Alexine genannten Körpern, welche sehr labil sind und schon bei kurzer Erwärmung des Serum auf 55—G0° vernichtet werden, die Schutzwirkung zuschreibt, oder den Antikörpern (Komplementen) Ehrlich's (vgl. weiter unten) ? ist für unsere Darstellung zunächst gleichgültig.
Übertragen wir das eben Gehörte auf die Malaria, so hätten wir bei den Leuten mit angeborener Resistenz eine besonders starke Entwicklung der Alexine bzw. Antikörper im Blute anzunehmen, w'eiche je nach der Menge derselben absoluten oder relativen Schutz gewähren. Die angeborene absolute Resistenz gegen