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Bd. 3 (1906)
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Malaria.

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bekanntlich das Vermögen der roten Blutkörper in einer isotonischen Kochsalzlösung von bestimmter Konzentration (0,7 % bzw. beim Menschen 0,9 %) das Hämoglobin festzuhalten, so daß weder Diffusion von Hämoglobin in die Kochsalzlösung, noch von der Kochsalzlösung in die roten Blutkörper erfolgt.

Man saugt das zu untersuchende Blut zunächst bis zum Teilstrich 0,5 im Blut­körperchen-Zählapparat von Thomas -Zeiss auf und darauf 3°/ 0 ige Kochsalzlösung bis zum Teilstrich von 101, mischt dann und zählt die roten Blutkörperchen. In dieser Kochsalz­lösung konservieren sich die roten Blutkörper. Hierauf verfährt man beim zweiten Versuch ganz ähnlich, nur nimmt man jetzt 0,4°/ 0 ige sogenannte hypotonische Kochsalzlösung. Hier­bei verliert innerhalb 10 Minuten ein Teil der roten Blutkörper das Hb.

Das prozentuale Verhältnis der in der hypotonischen Kochsalzlösung ihren Farbstoff festhaltenden roten Blutkörper zur Gesamtzahl des in 3% Kochsalzlösung den Farbstoff festhaltenden Blutes ist dann der Index für die Beständigkeit des entnommenen Blutes. Bei gesunden Individuen finden wir unbedeutende tägliche Schwankungen.

Die Isotonie der roten Blutkörper bei drohendem Blutzerfall (Schwarzwasserfieber) ist herabgesetzt. Nach eingetretenem Blutzerfalle kann die Isotonie erhöht sein.

6. Veränderung im Verhalten des Gefrierpunktes des Malariablutes.

Letzterer konnte aus Mangel an Eis in Kamerun nicht geprüft werden. Vgl. darüber die große Monographie von Grawitz und Koranyi. Untersuchungen darüber wären erwünscht. Der Gefrierpunkt ist bekanntlich abhängig von dem osmotischen Drucke. Auch Untersuchungen über die elektrische Leitungsfähigkeit des Malariablutes stehen noch aus.

7. Die Verringerung des Eiweifsgehaltes des Blutes

hat seinen Grund darin, daß sich die roten Blutkörper vermindern und daß das Serum wasserreicher wird. Es tritt dann der Zustand der sog. Hydrämie ein.

Sache weiterer Untersuchungen wird es sein müssen, festzustellen, ob das Blut­plasma auch bei Malaria eine Zunahme des Globulins und beträchtliche Abnahme des Albumins erfährt, wie es M. Mayer im Hamburger Tropeninstitut bei der Tsetseinfektion des Hundes gefunden. Der Eiweißquotient d. h. das Verhältnis des Gesamtglobulins (des Fibrinogen plus Globulin) zum Albumin, welches unter normalen Verhältnissen von 1 : 1,5 bis 1 : 1,9 schwankt, sank bei den Versuchen von M. Mayer bis unter 1:1.

Rekapitulieren wir, so haben wir nach den bisher geschil­derten Symptomen das Bild einer mehr oder weniger schweren sekundären Anämie vor uns, wie sie auch durch eine Reihe von anderen Schädigungen bedingt sein kann. Was den Blutbefund bei diesen Malaria- anämikern aber von dem der gewühlichen sekundären Anämie meistens unterscheidet, sind

1. die gelegentlich bei Recidiven vorkommenden Parasiten,

2. die pigmenthaltigen Leukocyten,

3. das Vorhandensein einer gewissen Leukopenie mit relativer Vermehrung der großen mononukleären Leukocyten.

Wird nun der anämische Malariker einer sorgfältigen Behandlung unterzogen, welche sowohl die Ursache der Malaria beseitigt als auch die durch Malaria ge­setzte Anämie, so kann allmählich Restitutio ad integrum eintreten, je nach der Disposition des einzelnen nach kürzerer oder längerer Zeit. Wirken die er­wähnten Schädigungen weiter auf die hämopoetischen Organe, so