Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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Dr. Dans Ziemann.

felilt, sogar in den schwersten Malariagegenden malariafreie Orte Vorkommen, wie selbst in Kamerun (vgl. das Küstensanatorium Suellaba).

Eine lange bekannte Tatsache ist, daß im allgemeinen selbst in den Tropen mit der Zunahme der Erhebung über dem Meeresspiegel die Malaria an Intensität der Erscheinung und Ausdehnung abnimmt, da die Existenzbedingungen für die Entwicklung der Malariaerreger sich verschlechtern. Im einzelnen ergeben sich aber große Verschiedenheiten in den einzelnen Ländern.

"Während z. B. in Ceylon Malaria 500 m über dem Meeresspiegel nicht mehr vor­kommt, fand Verf. in Kamerun wie auch in dem Manengubagebirge Malaria noch in ca. 900 m Höhe, von 1200 m Höhe ab im (traslande dagegen nicht mehr, und schien hier das Vorkommen der Malaria und der Anophelinen ziemlich genau zusammenzufallen. Steuber fand Malaria in D e u ts cli o st a fr i k a am Nyassasee noch in 1560 m Höhe. In der Gebirgslandschaft von Usambara schienen die Verhältnisse ähnlich zu sein wie in Kamerun, indem auch dort noch in 800 m Höhe Malaria vorkam. Im Himalaya-Ge- birge findet man angeblich Malaria noch in 2000 m Höhe, in den Anden Perus sogar bis 2500 m Höhe, im persischen Hochlande dagegen nur bis 1500 m. In den deutschen Bergen geht Malaria bis 400500 m Höhe hinauf, in Italien bis 6001000 m. Neuer­dings fand Grassi daselbst einen endemischen 3Ialariaheerd sogar noch in 2500 m Höhe, in der Nähe von Colico. In den Malariagegenden sind relativ geringe Erhebungen über der malariainfizierten Ebene oft geschützt, was man nach unseren jetzigen Kenntnissen leicht durch die relativ geringe Flughöhe der Anophelinen erklären kann. Stets zogen sich da­her die Bewohner von Malariagegenden mit Vorliebe auf umliegende Berge zurück. Be­kannt ist, daß die Hirten der Campagna bei Rom ihr Nachtlager auf Gerüsten auf­schlugen, die mehrere Meter über dem Erdboden hoch waren.

B) Tellurisehe Bedingungen.

Es ist Tatsache, daß ein poröser Boden, der jede Feuchtigkeit aufsaugt, keine Bedingungen für das Zustandekommen der Malaria schallt, ebenso kein abschüssiger Boden. Die geologische Formation selbst scheint ohne Einflüsse zu sein, falls nur die Stagnation kleiner Wassermassen gewährleistet ist. Besonders wird letzteres begünstigt durch tonhaltigen Boden. Sümpfe und Moräste sind schon seit alters her in Beziehung zur Malaria gebracht worden, besonders, wenn ihnen etwas brackiges Wasser beigemischt war. (Vgl. die Marschgegenden Deutschlands.)

Indeß steht durchaus nicht im Widerspruch mit unseren früheren Ausführungen, daß unter gewissen Bedingungen auch in Gegenden mit starker Sumpfbildung zuweilen keine Malaria vorkommt, wie z. B. in den Pampas des Rio de la Plata. Da auch in Gegenden ohne eigentliche Sumpfbildung, wie z. B. in der Campagna, schwerste Malaria Vorkommen kann, und wie schon erwähnt, kleinste Wasseransammlungen von einiger­maßen ständigem Charakter zum Zustandekommen der Malaria genügen, ist also der NameSumpffieber durchaus ungerechtfertigt.

Starke Epidemien können auftreten, wenn infolge von Überschwemmungen, Abholzungen oder Erdbewegungen, künstliche Wasseransammlungen und damit Brut­plätze für die Anophelinen geschalten werden. Bekannt ist die von Frerichs 1854 studierte große Malariaepidemie, die in Schlesien durch die Überschwemmung der Oder bedingt war, ferner die große Malariaepidemie gelegentlich der Hafen­bauten in Wilhelmshaven, die Epidemie des Stadtquartiers in Trastevere bei Rom, bei der Melioration des Tibers usw.

C) Klimatische Bedingungen.

Einer alten Erfahrung entspricht es, daß in sämtlichen Malariagegenden der gemäßigten Breiten die Fieberzeit in die wärmere Jahreszeit fällt, und daß im