Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 229
gegangenen Pieberanfalls veranlaßten Rezidiven. Wie diese Rezidive offenbar nicht durch Rückbildung von Makrogametocyten hervorgerufen werden, sondern nur durch eine von neuem einsetzende Vermehrung der Schizonten, die während der kurzen Latenzzeit in ähnlicher Weise erfolgt wie sonst während der Inkubationsperiode, so ist offenbar auch in dem Falle von Plehn und in den nicht allzu seltenen ähnlichen Fällen die Chininprophylaxe in einer Form angewandt worden, die zwar der Vermehrung der Schizonten so enge Schranken zog. daß pathologische Wirkungen zunächst nicht auftreten konnten, die aber andererseits nicht genügte, um alle Schizonten zu vernichten, so daß diese sich nach dem Aufhören der Prophylaxe noch ungehindert vermehren konnten. Mit anderen Worten: in diesen Fällen ist die Inkubationsperiode durch unzureichende Chininprophylaxe künstlich verlängert worden.
Nicht für alle Fälle von abnorm langer Inkubationsperiode wird freilich diese Erklärung zutreffen. Wenigstens wird, wenngleich nur vereinzelt, auch über Fälle berichtet, in welchen der verhältnismäßig sehr spät nach der mutmaßlichen Infektion erfolgende Ausbruch der Krankheit keinen derartigen zeitlichen Zusammenhang mit dem Aufhören einer Chininprophylaxe erkennen läßt. In solchen Fällen scheint aber stets der Anfall in Zusammenhang zu stehen mit einem schädigenden Momente, wie wir es bei den typischen, durch Rückbildung von Makrogametocyten bedingten Rezidiven finden (vgl. S. 233 f.). Man wird also diesen Anfällen auch dieselbe Ätiologie zuschreiben dürfen. Nach Plehn müßte man dazu annehmen, „daß die Gameten sich direkt aus den Sporozoiten entwickeln könnten; eine solche Voraussetzung würde wieder alles auf den Kopf stellen, was wir heute bezüglich der Parasitenbiologie zu wissen glauben.“ Mir scheint aber vor allem, daß die Annahme besonderer Latenzformen neben den Makrogametocyten (deren Bedeutung als Latenzformen ja sicher gestellt ist) alles, was wir heute über die Malariaparasiten und ihre Verwandten wissen oder zu wissen glauben, sehr viel mehr auf den Kopf stellen würde. Auf Grund der von Schaudinn betonten Verschiedenartigkeit der Sporozoiten müssen wir es jedenfalls als nicht undenkbar bezeichnen, daß weibliche Sporozoiten sich vielleicht direkt zu Makrogametocyten entwickeln können. In diesem Falle wäre sogar die Analogie mit dem von Schaudinn geschilderten Zeugungskreis von Haemoproteus eine vollkommene. Der eine der beiden weiblichen Sporozoiten, deren Eindringen in Erythrocyten Schaudinn verfolgte, scheint freilich in der Entwicklung zu einem Schizonten begriffen gewesen zu sein, da er eine NahruDgsvakuole ausbildete und eine solche ja den jungen Gametocyten fehlt. Andere Beobachtungen, die hier in Frage kämen, liegen bisher nicht vor.
Ob die hier angedeutete Lücke in unseren Kenntnissen von der Entwicklung der Malariaparasiten praktisch von eben solcher Bedeutung ist wie theoretisch, kann wohl auch nur die weitere Forschung lehren. Zunächst scheint mir die Voraussetzung Plehn’s, daß Sporozoiten sich direkt zu Makrogametocyten entwickeln können, zur Erklärung der fraglichen Fälle noch gar nicht unbedingt erforderlich. Vielmehr wäre es doch wohl auch möglich, daß die betreffende Malariaerkrankung gar keine Erstlingserkrankung ist, sondern ein Rezidiv und daß die wirkliche Erstlingserkrankung, sei es infolge von Chininprophylaxe, sei es aus anderen, noch aufzuklärenden Gründen (individuelle und zeitliche Disposition, die nach einzelnen Beobachtungen von Celli u. a. auch bei der Malaria eine Rolle spielt u. dgl.) abortiv verlaufen ist, aber Makrogametocyten im Blute zurückließ. Im übrigen muß ich bezüglich der Frage der Inkubation, der Latenz , u. dgl. auf das spezielle Kapitel über die Malariaerkrankungen verweisen.
e) Die Schizogonie der Plasmodien.
Die in der Blutbahn des Menschen lebenden Stadien des Malariaparasiten werden in Rücksicht auf die besondere praktische Bedeutung, die sie für Diagnose und Therapie besitzen, in dem von Herrn Ziemann bearbeiteten Kapitel über die Malariaerkrankungen ausführlich geschildert. Ich kann mich daher hier bei der Besprechung der Schizogonie, die sich ja ausschließlich in der Blutbahn abspielt, um so kürzer fassen, zumal auch das Proteosoma der Vögel sich in dieser Beziehung völlig wie die Parasiten des Menschen verhält.