diesen Fällen um mehrere andere, neue Arten handelt, deren Organisation dem Schema von Spir. plicatilis und balbianii entspricht. — Mulzer hat bei ulcerierten Karzinomen Spirochäten gewöhnlich gefunden, niemals dagegen in noch nicht ulcerierten. Dagegen fand Borrkl Spirochäten in drei Fällen auch bei Mäusen, welche subkutane, noch nicht ulcerierte karzinomatöse Geschwülste besaßen, in dem aus diesen Geschwülsten entnommenen Blute.
Auch bei Tropengeschwüren sind ähnliche Spirochäten mehrfach gefunden worden (von Smith und Peill in Sierra Leone, von Patton in Aden), aber stets nur oberflächlich, nie in Blut oder Milz. Übertragung durch Impfung gelang ebensowenig wie Kultivierung. Es handelt sich anscheinend ebenso wie bei den Karzinomspirochäten nur um unschädliche Saprophyten.
Alle diese Spirochäten aus ulcerierenden Aifektionen können dem Treponema pallidum zwar sehr ähnlich sein (daher auch der Artname pseudopallida), sie lassen sich aber dadurch von ihm unterscheiden, daß ihre Windungen flacher und unregelmäßiger sind, und daß sie sich nach Romanowsky mehr blau färben; auch ist über das Vorhandensein der für Treponema charakteristischen Geißeln nichts bekannt.
11. Spirochäten bei Dysenterie hat LeDantec beobachtet, welcher danach
neben der durch Bazillen, Amöben und Balantidien hervorgerufenen Dysenterie auch noch eine durch Spirochäten hervorgerufene unterscheidet. Die Spirochäten hatten gewöhnlich nur drei Windungen bei einer Länge von 6—14 doch können sie
auch bis zu 40 /< lang werden. Besonders häufig soll diese Form der Dysenterie in Südwest-Frankreich sein, indessen sind die Spirochäten auch bereits in zwei Fällen von Tropendysenterie gefunden worden. — Bei einem Petersburger Falle von Anämie mit andauernder Diarrhöe hat Moritz Spirochäten im Stuhl nie gefunden; bei der Autopsie dagegen fanden sich zahllose Spirochäten in der Muscularis des Dickdarms, sowie auch im Knochenmark, aber weder in der Milz noch in der Leber oder Niere. Ob dieser Fall der ,,Dysenterie spirillaire“ von Le Dantec vergleichbar ist, erscheint freilich noch sehr zweifelhaft.
12. Spirochäten im Magen sind bei verschiedenen Tieren beobachtet worden, besonders häufig beim Hunde, außerdem bei Katze und Wanderratte. Beim Menschen wurden sie dagegen bisher ebenso vergebens gesucht wie bei Affen, Schwein, Rind, Maulwurf, Maus, Kaninchen, Meerschweinchen u. a. Werden sie jedoch künstlich in den Magen einer Maus gebracht, so sollen sie sich dort vermehren. Die Zahl der Windungen betrug in der Regel 9—11, kann aber zwischen 2 und 24 schwanken.
13. Spirochaeta eberthi (Kent 1880). — Im Darm verschiedener Vögel (Huhn ? Ente, Gans) gefunden, vor allem in den LiEBERKÜHN’schen Drüsen. Früher zu den Trypanosomen gerechnet. Indessen fehlt eine freie Geißel, während sich wie bei den vorstehend aufgeführten Spirochäten, denen sich diese Art anzuschließen scheint, eine undulierende Membran den ganzen Körper entlang zieht. Weitere Details sind freilich noch nicht bekannt.
b) Im Blute schmarotzende Spirochäten.
Während die vorstehend angeführten Spirochätenarten keine näheren verwandtschaftlichen Beziehungen zu hcucoeytoxoon ziemanni erkennen lassen, sind solche wenigstens bei einem Teile derjenigen Arten, zu deren Besprechung ich mich jetzt wende, wahrscheinlich. Bei keiner dieser Arten kennen wir freilich bisher die Entwicklungsgeschichte, und über den feineren Bau einiger von ihnen liegen bisher nur einige gelegentliche Angaben von Schauihxn vor. Diese weisen aber auf eine nahe Verwandtschaft mit Leueocyto\oon und eine wesentliche Verschiedenheit von Spirochaeta plicatilis hin.