Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 183
4. Spirochaeta dentium Koch 1877. — Eine sehr kleine, im Speichel und Zahnstein des Menschen lebende Art, bei der Schaudinn einen ähnlichen Bau des Lokomotionsund Kernapparates vermutet wie bei Spir. plicatilis und Spir. balbianii. Vielleicht mit nachstehender Art identisch.
5. Spirochaeta buccalis Cohn 1875. — Gleichfalls im Speichel und Zahnstein des Menschen. 15—20 ft lang.
An beiden Enden zugespitzt.
0. Spirochaeta rincenti R. Bl. 1906. — Von Vincent bei der nach ihm benannten ulcerierenden Angina des Menschen entdeckt. Lokomotions- und Kernapparat nach Schaudinn ähnlich wie bei Spir. plicatilis und balbianii. Wird stets vergesellschaftet gefunden mit den sogenannten „spindelförmigen Bazillen“, Bacillus hastüis Seitz, ohne daß die Beziehungen zwischen beiden Mikroorganismenformen bisher geklärt sind. Da die spindelförmigen Bazillen sich von anderen Bazillen in mancher Hinsicht unterscheiden, so werden sie von einzelnen Autoren (Silberschmidt, Wechselmann und Loewenthal) überhaupt nicht für echte Bakterien gehalten, sondern für Entwicklungsstadien der Spir. vincenti. Die Vermehrung dieser Spirochäte soll nach einer Vermutung von Wechselmann und Löwenthal nicht durch Längsteilung, sondern durch Querteilung erfolgen.
7. Spirochaeta vaccinae Bonhoff 1905. — ln Vaccinepusteln des Kalbes gefunden, aber nur sehr unvollkommen beschrieben.
8. Spirochaeta pyogenes (Mezincescu 1904). — In Bukarest in einem tuberkulösen Eiterherd gefunden. 3,6— 12 ft lang und mit 2—9 Windungen. Nicht kultivierbar und nicht auf Mäuse übertragbar. Undulierende Membran mit Hilfe von Romanowsky- Färbung nachgewiesen, ebenso ein an Spir. plicatilis und Spir. balbianii erinnernder Bau des Kernapparats. — Ähnliche Spirochäten fand Doerr in Wien bei einem Fall von eitriger Pericarditis und Pleuritis, doch wurde hier durch Uberimpfung auf Mäuse eine eitrige Peritonitis mit starker Vermehrung der Parasiten erzeugt.
9. Spirochaeta refringens Schaudinn 1905. — Bei verschiedenen Genitalaffektionen (Balanitis, spitzen Kondylomen, Ulcus molle u. a.) gefunden, z. T. auch in syphilitischen Produkten mit der Syphilisspirochäte,
Treponema pallidum (Schaud.), vergesellschaftet, dann aber nur an der Oberfläche der betr. Lokalaffektionen, z. B. in dem schmierig-eitrigen Sekret breiter Kondylome, niemals in der Tiefe des Gewebes, wo bisher ausschließlich Treponema pallidum gefunden wurde (vgl. S. 187 f.). Spir. refringens unterscheidet sich in typischen Fällen von dem Treponema leicht durch ihre größere Dicke, ihr stärkeres Lichtbrechungsvermögen und die geringere Zahl (etwa 3—6) Windungen, welche auch flacher, mehr wellenartig erscheinen. In ihrem feineren Bau scheint sie sich an die typischen Spirochäten anzuschließen, da sie eine undulierende Membran aber keine Geißeln besitzt.
10. Spirochaeta pseudopallida Mulzer 1905.
— Bei ulcerierten Karzinomen und verschiedenen anderen, nicht syphilitischen Affektionen des Menschen fanden Kiolemenoglou und v. Cure Spirochäten, welche sie anfangs mit Spir.pallida identifizierten.
Schaudinn hat jedoch nachgewiesen, daß es sich in
Fig. 48.
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Spirochaete refringens Schaud.
a Von einem spitzen Kondylom , mit deutlicher undulierender Membran. b Enger gewundenes, kleineres Exemplar derselben Art. (Aus Schaudinn.)
Fig. 49.
Spirochaeta pseudopallida (Mulzer)
aus einem ulcerierten Karzinom. Ähnlich eng gewunden wie Treponema pallidum , aber dicker, mit deutlicher undulierender Membran und mit stumpf abgerundeten Enden. (Aus Schaudinn.)
Fig. 47.
Spirochaeta dentium Koch. Besonders kleines Exemplar mit vielenWindungen. (Aus Schaudinn.)