Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 151
Plasmodien gelten, so daß ich hinsichtlich ihrer auf die Besprechung der Malariaparasiten verweisen kann. Soweit auch die morphologischen Vorgänge durch einen Vergleich mit den Plasmodien, speziell mit dem am genauesten untersuchten Tertianparasiten, in besseres Licht gerückt werden können, wird dieser Vergleich dagegen bereits hier vorgenommen, um auf diese Weise überflüssige Wiederholungen zu vermeiden.
1. Bildung der Mikrogameten.
Während die reifen Mikrogametocyten in der Blutbahn anscheinend keine weitere Entwicklung mehr durchzumachen vermögen, kann eine solche nach dem Verlassen der Blutbahn sehr rasch erfolgen. Bereits 2—2 Vs Minute nach Entnahme des Blutstropfens hat Mac Callum die Mikrogametenbildung beobachtet. Die erste Veränderung, welche der Mikrogametocyt hierbei erleidet, besteht in einer kugeligen Abrundung noch innerhalb des Erythrocyten. Hierauf setzen in seinem Inneren plötzlich lebhafte Plasmaströmungen ein, welche sich zunächst vor allem in lebhafter, durcheinander wogender Bewegung des Pigments äußern. Gleichzeitig verschwindet der bisher von den Kernen und Blepharoblasten eingenommene helle Raum (offenbar infolge des Auseinander- weichens der acht Doppelkerne) und alsbald beginnen die Plasmastrudel auch die Oberflächenform des Mikrogametocyten zu beeinflussen. Hier und dort schnellen flachere und gewölbtere Plasmabuckel hervor, um sich ebenso rasch wieder zurückzuziehen und an anderen Stellen wieder aufzutreten, so daß es den Anschein gewinnt, als wenn über die Oberfläche rasche wellenförmige Bewegungen hinwegliefen. Während dieses Zeitpunktes erfolgt in der Regel der Austritt des Parasiten aus dem Blutkörperchen durch Bersten des letzteren und ebenso plötzlich schnellen alsbald aus dem Körper des Parasiten 4—8 lange hyaline Fäden hervor, welche lebhafte peitschende Bewegungen ausführen, sich alsbald losreißen und in schlängelnden Bewegungen davonstürmen. Es sind dies die befruchtungsfähigen Mikrogameten.
Der nach dem Ausschwärmen dieser Mikrogameten übrig bleibende Restkörper ist ganz erheblich kleiner wie der Mikrogametocyt, anscheinend nicht nur infolge des Substanzverlustes, sondern auch infolge aktiver Kontraktion des Protoplasmas. Das bisher wild durcheinander wogende Pigment, von welchem ausnahmsweise einzelne Kristalle durch die Mikrogameten mit fortgerissen werden können, sammelt sich im Inneren des Restkörpers in größeren Haufen an; schließlich stirbt der Restkörper ab und zerfällt. (Vgl. zu dieser Schilderung außer Taf. VI Fig. 16 b und 17 b auch Taf. VII Fig. C, 13 b und 14 b.)
Genauere Untersuchungen über den feineren Bau der Mikrogameten hat Schaudinn angestellt. Derselbe entspricht danach durchaus dem Bauplan der Trypanosomen. In dem Mikrogametocyten rücken die acht Doppelkerne an die Oberfläche und nehmen dort radiäre Stellung ein, indem der Blepharoblast nach außen, der Hauptkern nach innen gewandt ist (vgl. Taf. VI Fig. 16 b). Von dem Blepharoblasten aus wird dann ein Geißelapparat mit undulierender Membran in der für die Trypanosomen typischen Weise
Fig. 33.
Haemoproteus noctuae Mikrogamet. (Aus Schaudinn.)
a Schema des Bauplans eines Mikrogameten. b SchematischeDarstellung des Kernapparates desselben.
bl = Blepharoblast. ca = vordererSpindelpol. cp = hinterer Spindelpol. mu = Saum der undulierenden Membran. my — Myoneme (Spindelfasern).
n = Hauptkern.