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Bd. 3 (1906)
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Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 149

parasiten namentlich dann ein geschlagen, wenn durch wiederholte ungeschlechtliche Vermehrung die Zahl der Parasiten bereits eine verhältnismäßig erhebliche geworden ist. Schließlich kann auch die ungeschlechtliche Vermehrung überhaupt erlöschen, so daß nur noch Geschlechtsformen im Vogelblut übrig bleiben.

Die überwiegende Mehrzahl der Geschlechtsformen entsteht im Vogelblut auf diese Weise aus der Reihe der ungeschlechtlichen Generationen heraus. Außerdem können aber, wie wir weiter unten noch sehen werden, bereits bei der Infektion des Vogels zu­sammen mit den indifferenten (ungeschlechtlichen) Formen gelegentlich auch einige junge weibliche Parasiten in die Blutbahn des Vogels hineingelangen, die sich dann dort in derselben Weise weiterentwickeln, wie die später bei vorgeschrittener Infektion in der Blutbahn des Vogels selbst entstehenden Geschlechtsformen.

Von den ungeschlechtlichen Formen unterscheiden sich die im Vogelblut lebenden Geschlechtsformen oder Gametocyten (d. h. Mutterzellen der Gameten, nach Analogie von Ovocyten und Spermatocyten) vor allem dadurch, daß sie erheb­lich langsamer wachsen, und daß sie nicht wie jene auf der Oberfläche, sondern im Innern der roten Blutkörperchen schmarotzen. Ihre Form ist eine regelmäßiger bohnen- bis nierenförmige wie die der ungeschlechtlichen Formen: es fehlen bei ihnen die buckelförmigen Vorwölbungen des Seitenrandes und die beiden Pole erscheinen daher bei ihnen gleichmäßig gerundet und nicht so ausgefranst wie dies bei den ungeschlechtlichen Formen gelegentlich zu beobachten ist (vgl. S. 148). Sie Schemen auch ihre Wirtszellen seltener zu wechseln wie die ungeschlechtlichen Formen, und diese größere Seßhaftigkeit im Verein mit ihrem intrazellulären Parasi­tismus hat zur Folge, daß sie die befallenen Erythrocyten stärker schädigen wie die ungeschlechtlichen Formen. Diese Schädigung zeigt sich vor allem in Entfärbung der Blutkörperchen und seitlicher Verlagerung des Erythrocytenkernes (vgl. Taf. VI Fig. 15au. 156). Erwachsene Gametocyten sind daher häufig nur noch von einer dünnen, blassen Hülle umgeben, dem Rest der Wirtszelle, deren Kern ganz an die Peripherie gedrängt ist. Dies ist speziell bei Haemoproteus noctuae regelmäßig der Fall, gilt aber außerdem beispielsweise auch für die von Opie untersuchte Art aus Bubo americanus. Bei der von Mac Callum untersuchten Art aus amerikanischen Krähen scheint dagegen die Schädigung der Erythrocyten nur geringe Grade zu erreichen.

Während alle bisher bekannten Haemoproteus- Arten in dem Bau ihrer Gameto­cyten übereinstimmen, ist deren Entwicklung wieder nur bei Haemoproteus noctuae näher untersucht. Nur für diese Art ist daher auch der Wechsel der Wirtszelle sicher festgestellt. Dieser Wechsel findet aber nur während der Wachstumsperiode statt. Ausgewachsene Gametocyten haben ihre Auswanderungsfähigkeit verloren. Auch sind bereits ältere Wachstumsstadien nicht mehr imstande, die Trypanosomen­form anzunehmen. Sie wandern vielmehr in derselben, an Gregarinen erinnernden Würmchenform, welche wir auch noch bei den im Mückendarm schmarotzenden Weibchenformen finden werden (vgl. Taf. VI Fig. 25 w), aus dem einen Erythrocyten aus und in den anderen ein.

In den Einzelheiten ihres Baues lassen die Gametocyten je nach ihrem Ge­schlecht Verschiedenheiten erkennen, welche bereits beim ersten Beginn des Wachs­tums der kleinen Vermehrungsstadien hervortreten.

1. Makrogametocyten (Weibchen).

Ausgezeichnet durch den Reservestoffreichtum und die dadurch bedingte dunkle Färbung und dunkle Färbbarkeit ihres grobgranulierten Plasmas, verhältnis­mäßig kleinen Kern und diesem dicht anliegenden, ebenfalls kleinen Blepharoblast (vgl. Taf. VI Fig. 14 a und 15 a).