Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 113
Nach Uberimpfung auf Meerschweinchen will Battaglia intraglobuläre, plasmodienähnliche Jugendformen beobachtet haben, die derselbe aber auch für Tryp. lewisi angibt, wo sie doch nach Prowazek sicher fehlen.
Trypanozoon nicolleorum (Sergent).
Gefunden in Fledermäusen, Vespertilio kuhli Natt, und Myotis myotis (Bechst.), in Algerien; auf Mäuse, Ratten, Kaninchen nicht übertragbar.
Sehr lebhaft beweglich. Gesamtlänge 20—24 ft, wovon 4—5 ft auf die freie Geißel •entfallen; Breite 1,5«. Die undulierende Membran war vom Körper nicht zu unterscheiden. Hinterende sehr stark zugespitzt. Blepharoblast groß, am Beginn der Zuspitzung gelegen (Form?). Kern weit vorn gelegen, vom Hinterende 15 ft, von der Geißelspitze nur 9 ft entfernt (in der Abbildung aber ungefähr in der Mitte des Körpers gezeichnet).
Zweimal fanden die Brüder Sergent in Vespertilio kuhli vereinzelt auch noch ein größeres Trypanosom (25—30 ft lang und 6 ft breit), welches sich durch seine geringe Beweglichkeit, flache Körperform und deutliche undulierende Membran von Tryp. nicolleorum unterschied. Auf Ratten war es ebensowenig übertragbar wie das letztere (andere Übertragungsversuche nicht gemacht). Da zwischen beiden Trypanosomenformen keine Übergänge gefunden wurden, so denken die Brüder Sergent, daß die große Form vielleicht eine besondere Art darstelle, und wollen sie in diesem Falle mit dem bereits durch Battaglia vergebenen und deshalb nicht mehr statthaften Namen Tryp. vesperti- lionis belegen. Es könnte sich aber sehr wohl auch um einen ähnlichen Dimorphismus von indifferenten und weiblichen Formen handeln, wie er oben für Trypanozoon brucei und andere pathogene Arten angeführt worden ist. Allerdings wurden die beiden Trypanosomenformen nur einmal zusammen gefunden, während sich ein anderes Mal allein die große Form und neunmal beim gleichen Wirt, sowie siebe imal bei Myotis murinus nur die schlanke Form vorfand.
Anschließend hieran sei erwähnt, daß Dionisi auch im Blute einer anderen Fledermaus, Miniopterus schreibersi (Natt.), Trypanosomen gefunden hat, ohne nähere Angaben über sie zu machen.
Trypanosomenähnliche Blutparasiten von Phyllostoma?
Schließlich seien hier noch die Flagellaten erwähnt, welche Durham im Magen •einer Stegomyia fasciata gefunden hat, nachdem diese Mücke während der vorausgegangenen Nacht sich an einer, mit ihr im gleichen Käfig zusammengesperrten blattnasigen Fledermaus (Phyllostoma spec.) mit Blut vollgesogen hatte. In diesem Blute waren in großer Zahl „Trypanosomen'* vorhanden, deren Formverhältnisse ganz andere waren wie bei Tryp. lewisi, Tryp. brucei u. a. Trypanozoen. Näheres über diese Abweichungen ist bisher leider nicht publiziert; nach einer mir von Dürham vor einiger Zeit übersandten Umrißzeichnung kann ich anführen, daß der Körperumriß lanzettlich ist (größter Durchmesser dem die Geißel tragenden Vorderende stark genähert, von dort aus nach dem Hinterende zu allmähliche Verjüngung) und daß die undulierende Membran im Verhältnis zur Körperlänge ganz auffällig kurz ist. Dadurch wird der Habitus in der Tat ein ganz eigenartiger. Nähere Mitteilungen müssen aber dem Entdecker Vorbehalten bleiben.
Daß die Parasiten wirklich aus der Fledermaus stammen, gewinnt an Wahrscheinlichkeit dadurch, daß bei Untersuchung von 80 Mücken ähnliche Parasiten nie wieder gefunden wurden, und daß bei der er t längere Zeit nach dem Tode erfolgten Untersuchung der Fledermaus noch Gebilde gefunden wurden, die als postmortal veränderte Trypanosomen gedeutet werden konnten.
3. Trypanozoon gambiense (Dutton).
Entdeckungsgeschichte und Synonymie: Trypanosomen beim Menschen •wurden zuerst von Nepveu im Jahre 1898 beobachtet, dann im Jahre 1902 von Dutton bei einem von Forde behandelten Krankheitsfalle neu entdeckt und Trypanosoma gambiense genannt (vgl. Fig. 19). Im Laufe des folgenden Jahres erhielt dann dieses von Dutton gell ense, Handbuch der Tropenkrankheiten. III. 8