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Der Sinn deutschen Kolonialbesitzes / von Kurt Wiedenfeld
Entstehung
Seite
30
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4. Die Kolonien als Erzieher zur Westpolitik.

Dem einen Hauptzweck des Kolonialbesitzes, als ein Kreis weltpolitischer Stützpunkte dem Heimatstaate zu dienen, tritt unter gleichem Gesichtswinkel die zweite Aufgabe zur Seite: an der Er­ziehung zu weltpolitischer Art mitzuhelfen.

Da ist wieder bedeutsam, daß die Schutzgebiete selbst in mannigfacher Verwendung eine zunehmende Zahl von Deutschen in sich aufnehmen und vor einen Wirkungskreis stellen können, wie ihn die Heimat ihnen niemals mehr zu bieten vermag. Wir müßen uns nun zu Hause einmal mit der Tatsache abfinden, daß die fest geregelten Verhältnisse unseres Lebensganges dem einzelnen wie eine starke Stütze, so doch auch bei der Entfaltung seiner Eigenart eine schwere Hemmung bedeuten; die Massigkeit des Zusammenlebens gibt einem jeden von außen her die Regeln seines Handelns, und auch das Denken und Fühlen steht un­bewußt, aber entscheidend unter dem Einfluß der Nachbarn und Schichtgenoffen. Draußen ganz anders! Da steht der Offizier der Schutztruppe vor der Ausgabe, eine Bevölkerung zum Frieden zu bringen und im Frieden zu halten, deren Fühlen ihm völlig fremd ist. In seiner Umgebung findet er nur Widerstreben. Eine Möglichkeit, bei Gleichgearteten sich Rat zu holen und sich anzu­lehnen, ist meist nicht gegeben. Und doch werden von den In-