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Der Sinn deutschen Kolonialbesitzes / von Kurt Wiedenfeld
Entstehung
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2. Die wirtschaftliche Bedeutung des Kolonialbesitzes.

Wozu braucht Deutschland Kolonialbesitz? Die Frage fand im Anfang unserer Ausdehnung eine doppelte Antwort; wirt­schaftlich die eine, die andere politisch-sozial.

In den freien Negergebieten .... sind die europäischen Firmen stets der Willkür der einzelnen Häuptlinge unterworfen, welche so viele Abgaben wie möglich von ihnen zu erheben suchen. Dieser Willkür ist nur durch äußere Macht zu begegnen, und häufig sind die Firmen dabei auf Selbsthilfe angewiesen .... Der Ver­kehr mit dem Inneren Zentralafrikas kann nur herbeigeführt werden, wenn die Küste im Besitz einer europäischen Macht ist, und diejenige Macht, welche die Küstenstrecke innehat, wird den Löwenanteil am Verkehre haben .... Der Plantagenbau kann auch nur da in Angriff genommen werden, wo die Herrschaft einer zivilisierten Nation den erforderlichen Schutz gewährt." So rechtfertigt die Hamburger Handelskammer in ihrer berühmten Denkschrift vom 6. Juli 1883 die Forderung, daß Deutschland an der Küste Westafrikas Kolonien besetzen solle: Schutz des Handels, der da draußen als wirtschaftlicher Pionier für sich selbst und für die Heimat Gewinn erzielt, und Schutz der heimischen Kapita­lien, die auf unzivilisiertem Boden nach ertragreicher Betätigung ausschauen. Da wird betont, daß mit zunehmender Verkehrs­möglichkeit auch für Deutschland die Aussicht wachse, von dem Reichtum der Tropen an wirtschaftlich wertvollen Rohstoffen ein

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