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Der Sinn deutschen Kolonialbesitzes / von Kurt Wiedenfeld
Entstehung
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1. Die Wandlung der Auffassung.

Als in den allerersten Kriegstagen der deutsche Reichskanzler den Engländern als Preis für ihre Neutralität die Garantie an­bot, daß wir territorial Frankreich nicht schwächen wollten, da kam die Gegenfrage zurück, ob diese Zusicherung auch auf den französischen Kolonialbesitz sich erstreckte, und diese Gegenfrage wurde verneint.Je weniger Afrika, desto bester", erklang es dagegen vor noch nicht einem Menschenalter von derselben Amts­stelle her, als ein Zusammenprallen mit demselben England noch gerade im Verhandlungswege hatte vermieden werden können. Zwei polare Gegensätze, in denen sich die weltpoltitische Entwick­lung unseres Volkes nach Art und rasendem Tempo aufs deut­lichste abzeichnet.

Allerdings weift auch der Zanzibar-Vertrag von 1890, den Caprivi mit jenem aufpeitschenden Worte rechtfertigen wollte, bereits in eine tatenfrohere Zukunft hinein; denn nicht nur war Helgoland bekanntlich der Preis, den wir für unseren Rücktritt aus Zanzibars politischem Leben einheimsten und der uns für eine spätere Abrechnung mit England die Stellung zu Hause ver­bessern sollte, sondern es wurde auch in derselben Zeit und in ursächlichem Zusammenhang die Gründung der Deutschen Oft- afrika-Linie von Reichs wegen betrieben, als ein Zeichen, daß wir wenigstens wirtschaftlich unseren Fuß auf der Insel stehen lassen und zugleich die wirtschaftliche Unabhängigkeit unseres