Vergiftungen durch tierische Gifte.
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IV. Myriapoda, Tausendfüßler.
Die Tausendfüßler sind durch Luftröhren (Tracheen) atmende flügellose Gliederfüßler, deren Körper aus zwei Abschnitten, Kopf und Rumpf, besteht. Der Kopf besitzt ein Paar Fühler und zwei oder drei Kieferpaare, der meist langgestreckte Rumpf trägt an fast allen Ringen je ein oder zwei Paar Beine.
Die Skolopender, Zangenasseln, Scolopcndrae, welche dieser Klasse und zwar der Ordnung der Lippenfüßler, Chilopoda, angehören, tragen vorn und seitlich am Kopfe zwei kräftige aus den Brustbeinen gebildete Anhängsel, welche nach innen konkav sind und in zwei spitze Krallen auslaufen, die Kieferfüße. Jedes dieser Kieferfußpaare birgt in seinem freien, viergliedrigen Teile eine Giftdrüse, deren Ausführungsgang sich mit einer feinen Mündung uuter der Spitze des Klauengliedes öffnet. Diese kleinen Tiere, deren Länge bis 15 cm reicht, kommen in allen warmen Ländern vor. In Südeuropa kommt eine Art vor, Scolopendra cingulata , in den Tropen ist Sc. morsitans am verbreitetsten. Die Skolopender leben von kleinen Insekten, welche sie mit ihrem Gifte töten. Ilir Stich ist auch für den Menschen sehr schmerzhaft, tödliche Vergiftungen sind aber bis jetzt noch nicht glaubwürdig beobachtet worden. Das Gift reagiert sauer, mischt sich mit Wasser und opalisiert. Wegen der großen Schwierigkeit genügende Mengen zu erhalten, fehlen noch experimentelle Studien über das Skolopendergift.
Literatur.
1887 Bachelier, La scolopendre et sa piqüre. Dissertation, Paris.
V. Iusecta, Insekteu.
Die Insekten sind durch Luftröhren atmende Gliederfüßler, deren Körper aus drei deutlich getrennten Abschnitten besteht und die ein Paar Fühler, drei Paar Mundwerkzeuge, drei Paar Beine und meist zwei Paar Flügel besitzen.
Eine große Zahl von Insekten sondert einen scharfen und reizenden Saft ab, welcher zur Verteidigung dienen, aber nicht als eigentliches Gift betrachtet werden kann. Von diesen sind der Ölkäfer, Meloe und die spanische Fliege, Cantharis oder Lgita die bemerkenswertesten.
Nur die Ordnung der Hautflügler oder Hymenoptcra zählt mehrere Arten, welche mit Giftdrüsen und zum Stechen und Saugen geeigneten Mundwerkzeugen ausgerüstet sind. Das Giftorgan, welches besonders eingehend von Leuckhart, Leydig, Carlet und in neuerer Zeit von L. Bordas studiert worden ist, besteht immer aus zwei oder manchmal drei verschiedenen Arten von Drüsen, die sauere Drüse, die alkalische Drüse und die akzessorische Giftdrüse. Das von den Bienen Apis mellifera Honigbiene und Xylocopen oder Hohbiencn (Xylocopa violacea) gewonnene Gift tötet kleine Tiere, wie Mäuse, Spatzen usw. durch Atmungslähmung, scheint also ein sehr wirksames Nervengift zu enthalten. Das Gift zweier Bienen genügt, um eine Maus zu töten. '
Es gelingt leicht, Mäuse gegen Dosen des Giftes zu impfen, an welchen Konfrontiere unfehlbar zugrunde gehen, indem man ihnen -wiederholt kleine Mengen des Giftes injiziert. Der Mensch verhält sich ebenso, es ist eine alte Erfahrung, daß Personen, welche an Bienenstöcken zu arbeiten haben, sich sehr bald an die Stiche gewöhnen und keinerlei Beschwerden von einem Bienenstich mehr empfinden.
Die durch das Gift der Insekten hervorgerufenen Intoxikationserscheinungen sind im allgemeinen leicht und beschränken sich meistens auf heftigen Schmerz in