Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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Vergiftungen durch tierische Gifte.

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lichkeit besitzt, heftiges Jucken und selbst Nesselsucht hervorzurufen. Durch Mazerieren der Seerosen in Alkohol von 95°/o kann das Gift gewonnen werden. Nach einigen Tagen gießt man den Alkohol ab, oder dampft ihn ab, und löst den Rückstand aufs neue in 95 prozentigem, dann in absolutem Alkohol auf. Auf diese Weise erhält man das Thal assin in Kristallform mit einem Gehalt von 10°/o Stickstoff. Ein Kilogramm Aktineen liefert ungefähr drei Gramm reines kristalli­siertes Gift.

Hunden intravenös eingespritzt ruft das Thalassin Hautjucken, Nießen und Hautröte mit lebhafter Kongestion der Schleimhäute hervor.

Außer dem Thalassin kann man noch ein anderes in Alkohol unlösliches Gift aus den Aktineen darstellen, welches von dem Entdecker Congestin genannt wurde und Tieren eingespritzt diese viel empfindlicher für das Thalassin macht, als vorher.

Diese beiden Gifte erwecken deswegen ein gewisses praktisches Interesse, weil eine bestimmte Gewerbekrankheit der Taucher und Schwammfischer z. ß. im Mittelmeere ihnen ilire Entstehung verdankt. Die Krankheit ist charakterisiert durch heftiges Jucken und Brennen iu der Haut, an der betroffenen Stelle entsteht eine feste Quaddel, welche von einem entzündlichen Hofe von wechselnder Größe um­geben ist.

Um die Taucher vor der schädlichen Einwirkung der Schwämme zu bewahren, genügt es, die Haut gründlich einzusalben, eine dünne Fettschicht gewählt schon einen genügenden Schutz.

Literatur.

1902 Richet, Ch., Compt. rend. d. 1. Soc. de Biologie. Paris. 13./XII.

1903 Derselbe, 6./VL, 25./VII.

1904 Derselbe. 20., I.

II. Mollusca, Weichtiere.

Die Mollusken sind zweiseitig symmetrische Tiere mit weichem Körper und ohne gegliederte Gliedmaßen mit einem bauchständigen Bewegungswerkzeuge oder Fuß und einer oberhalb des Fußes gelegenen Hautfalte (Mantel), welche die Atmungsorgane (Lungen oder Kiemen) umhüllt und meistens eine Kalkschale ausscheidet.

Einige Gastropoden (Schnecken), besonders Mur ex brundaris, das Brandhorn oder Türkenblut, und M. trunculus besitzen Purpurdrüsen, aus welchen ein sehr wirksames Gift durch Verreiben mit Sand und Alkohol gewonnen werden kann. Nach Verdampfung des Alkohols bleibt eine ölige Flüssigkeit zurück, welche die toxische Substanz enthält. Diese wirkt lähmend auf die nervösen Zentralorgane; Siißwasser- und Seefische sind für dieses Gift sehr empfindlich, während warmblütige Tiere dafür ganz unempfindlich sind.

III. Arachnoidea, Spinnentiere.

Die Spinnentiere sind luftatmende flügellose Gliederfüßler, deren Kopf und Brust in der Regel zu einem Abschnitt verschmolzen ist. Das Kopfbruststück trägt zwei Paar Kiefer und vier Paar Beine, der Hinterleib zeigt niemals Beine.

Die Spinnentiere besitzen fast alle Giftdrüsen, welche bei einigen mit den Mundwerkzeugen, bei anderen mit einem besonderen Giftstachel am hinteren Leibes­ende in Verbindung stehen.

Die echten Spinnen, Araneina, und Seorpione, Scorpionina, gehören dieser Klasse au und besitzen ein besonders starkes Gift.