Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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Prof. Dr. A. Calmette.

ganz nahe an den Hinterkopf vorwärts und kann dann das Tier mit der Hand un­mittelbar hinter dem Kopfe ergreifen, ohne daß es sich umwenden und beißen kann. Oder man bedient sicli zum Erfassen des Kopfes einer kleinen zweizinkigen Gabel aus Holz oder Metall. So wird das Reptil in einen vergitterten, mit einer sich nach außen öffnenden Tür versehenen Käfig gesteckt.

Giftschlangen können auf diese Weise weithin versandt werden und zwei oder drei Monate ohne Nahrung bleiben, wenn sie nur feucht und warm genug ge­halten werden.

E. Einteilung und geographische Verbreitung der wichtigsten Arten der Giftschlangen.

Die Giftschlangen sind besonders in der tropischen Zone der alten und neueren Welt verbreitet. Die in Europa vorkommenden Arten sind nur von geringer Länge, Größe und wenig gefährlich. In den warmen Ländern dagegen erreichen die Schlangen eine bedeutende Größe, besitzen ein viel stärkeres Gift und verursachen, obschon sie fast nie den Menschen angreifen, sondern meistens vor ihm die Flucht ergreifen, eine bedeutende Zahl von tödlichen Vergiftungen.

Manchmal ist es schwierig, aus dem bloßen Aussehen einer Schlange zu entscheiden, ob sie giftig ist oder nicht, und selbst Naturforscher können sich in dieser Hinsicht täuschen. Es ist deswegen von Nutzen, die unterscheidenden Merk­male der gefährlichsten Arten kennen zu lernen und zu wissen, in welchen Ländern man der Gefahr einer solchen unangenehmen Begegnung ausgesetzt ist. Eine ein­gehendere Beschreibung der einzelnen Arten würde über den Rahmen dieses Buches hinausführen.

Europa. Von der gesamten alten Welt ist Europa am ärmsten an giftigen Reptilien. Man findet dort nur die Viperinae, deren Größe 0,75 m selten über­schreitet, und zwar ausschließlich solche, die zur Gattung Vipera und zu den Arten V.ursinii, V. berus, V.aspis, V.latustii, T. ammodytes, Sandotter, 1 ) gehören. Die gewöhnlichste Art ist V. berus, die Kreuzotter, deren Verbreitung sich über das

*) Bei Benennung aller in dieser Abhandlung besprochenen giftigen Reptilien folgt Verfasser der von G. A. Boulenger aufgestellten Klassifikation nach dem Kataloge von Spathes, British Museum, London 1896.

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Vipera berus.

Vipera aspis. Fig. 3.

Vipera ammodytes.