Vergiftungen durch tierische Gifte.
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In der Gefangenschaft verweigern die Giftschlangen fast immer jede Nahrungsaufnahme. Man ist deswegen genötigt, sie künstlich zu füttern, wenn man sie längere Zeit am Leben erhalten will. Zu diesem Zwecke ergreift man sie mittelst einer langen Zange mit kräftigen Armen am Kopfe, erfaßt mit der linken Hand den Hals, ohne zu sehr zu drücken, während ein Gehilfe den Körper festhält. Dann steckt man dem Tiere eines oder mehrere Stücke Rind- oder Pferdefleisch zwischen die Kiefer und schiebt den Bissen vorsichtig tief in die Speiseröhre. Hierbei bedient man sich, um die Schleimhaut nicht zu verletzen, einer Zange oder eines Glasstäbchens (Fig. 1 und 2). Indem man nun sanft von oben nach unten die Speiseröhre entlang streicht, befördert man die Brocken Nahrung bis in den Magen. Die Prozedur muß alle zwei Wochen wiederholt werden. { Ü Auf diese Weise hat Verfasser Najas aus Indien und Bothrops von Martinique mehr als zwei Jahre lang im Laboratorium in guter Verfassung am Leben erhalten können, wobei besondere Sorgfalt darauf verwandt wurde, die Tiere in einem Warmhause
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Fig. 2.
Fütterung der Giftschlangen; 2. Akt.
bei einer Temperatur von etwa 28—30 0 C. zu bewahren. Sehr wichtig ist es auch, ein gefülltes Wasserbecken, dessen Inhalt oft erneuert werden muß, in die Käfige zu stellen, denn fast alle Schlangen trinken oft und lieben es, oft tagelang zu baden. Auch müssen ihnen Holzstücke und Steine zur Verfügung stehen, an welchen sie sich reiben können, um sich periodisch zur Zeit der Häutung der Epidermis zu entledigen. Die Häutung findet ungefähr dreimal im Jahre statt. Wenn sie bevorsteht, wird das Reptil schlaftrunken, das sonst so lebhafte Farbenspiel der Schuppen wird matt, die Haut runzelt sich und löst sich schließlich in Fetzen oder als ein Ganzes in der vollen Länge des Körpers ab. Während der Häutung muß man sich hüten, die Schlangen zu berühren oder zu nudeln. Bei gewaltsamem Füttern würden sie eingehen.
D. Fang.
Das Einfangen lebender Giftschlangen erfordert gewandte und recht kaltblütige Menschen. Am besten bemächtigt man sich ihrer, indem man den Hals mit einem Stocke flach gegen den Boden drückt. DenStock rollt man langsam bis