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Prof. Dr. A. Calmette.
Augen auf beiden Seiten des Oberkiefers ein. Sie sind von ovaler Form und können, wie bei den Najas, die Größe einer Mandel erreichen. Ihr Bau gleicht dem der Speicheldrüse bei den größeren Tieren. Das abgesonderte Gift häuft sich in den Acini und dem an der Basis des Giftzahnes ausmündenden Ausführungsgang an. Jede Drüse ist von einer Art Kapsel überzogen, an welcher sich teilweise die Sehnen des Musculus masseter inserieren, welcher die Drüse stark zusammendrücken und wie der Stempel einer Spritze das Gift in den Kanal oder die Furche des. Zahnes auspressen kann.
C. Lebensweise der Giftschlangen.
Alle Giftschlangen sind Fleischfresser, d. h. sie ernähren sich von kleinen Säugetieren (Ratten, Mäusen), Vögeln, Batrachiern, anderen Reptilien oder Fischen, welche sie mit ihren Giftzähnen durch Vergiftung töten.
Fig. 1.
Fütterung der Giftschlangen; 1. Akt.
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Fast immer warten sie, bis ihre Beute tot ist, ehe sie dieselbe verschlingen. Einige der Giftsclilangen sind große Liebhaber von Eiern, welche sie geschickt in den Vogelnestern zu finden wissen und ganz verschlucken.
Wenn eine Giftschlange eine Beute erfassen oder einen Feind beißen will, so legt sie den Kopf rückwärts, senkt den Unterkiefer, hebt den Oberkiefer derart, daß die Zähne gerade nach vorn gerichtet sind — und mit der Sicherheit und Schnelligkeit einer stählernen Feder schnellt das Reptil vorwärts und trifft sein Opfer. Nach der Verwundung zieht es sich zurück und bleibt mit rückwärts gebeugtem Kopfe bereit, aufs neue zu beißen.
Die Giftwirkung ist oft eine so rasche, daß das getroffene Tier fast unmittelbar darauf zu Boden fällt; es ist sofort gelähmt und stirbt nach wenigen Sekunden.
Meistens behält die Schlange ihr Opfer im Maule, bis der Tod eiugetreten ist, und macht sich dann daran, es zu verschlingen, eine langsame und schwierige Arbeit.