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Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.
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Auch Stevens gibt an, daß jeder malayische Stamm das Gift nach einem eigenen Verfahren aus verschiedenen Ingredienzen bereitet.
Literatur.
1902 Benedicenti, Kicerche farmacologiche su alcuni veleni usati dai Negritos dell’ Arci- pelago malese. Ann. de chimica et farmae. Vol. XXV.
4. Strophanthus.
In manchen Teilen Afrikas arbeiten die Neger mit einem verschieden benannten Gifte (Kombe, Inee, Onage), welches aus den Samen verschiedener Stro- phaiithusartcn gewonnen wird, kriechender Apocyneen, d. h. tropischer Lianen, welche auch in Asien Vorkommen.
Im französischen Sudan verwenden die Eingeborenen zu diesem Zwecke Strophanthus hispidus D. C., im Gebungebiete S. ghtbrus, mehr östlich nach den großen Seen zu, S. Kombe, am Zambesi S. lanosus. In Dahomey fanden le Dantec, Boye und Bereni zwei andere Varietäten von Strophantus im Gebrauch, welche sie mit den Namen zweier eingeborener Stämme & Ciabe (Tschabe) und ,$'. Bariba belegten.
Das Gift wird durch längeres Kochen der Samen unter Zusatz von Schlangenköpfen, sowie Blättern und 'Wurzeln milchsafthaltiger Pflanzen gewonnen, wodurch das Gift an den Eisenspitzeu der Pfeile besser haftet.
Es ist sehr wirksam. In einem Gefechte der Kolonialtruppen im französischen Sudan kamen auf 45 Verwundete 15 Tote. Der Tod erfolgte nach 10—15 höchstens 20 Minuten, obschon die Pfeile sofort aus der Wunde entfernt wurden. Die Getroffenen stürzen zu Boden, stoßen tiefe Seufzer aus, zerkratzen den Erdboden mit den Nägeln, der Kopf sinkt auf die Brust, die Atemzüge verlangsamen sich allmählich, der Puls wird klein, fadenförmig, die Herzschläge nehmen an Zahl ab und hören dann plötzlich auf. Im Todeskampfe treten oft konvulsivische Zuckungen ein.
Es ist ein Herzgift für kalt- und warmblütige Tiere, das Herz kommt gewöhnlich in Systole zum Stillstand, die Kammer bleibt früher stehen als der Vorhof, das Herz ist dann nicht mehr erregbar.
Beim Meerschweinchen verlaufen die Erscheinungen in dieser Reihenfolge: Zittern, gesteigerte Reflexerregbarkeit, krampfhafte Bewegungen des Zwerchfells, Vornübersinken des Kopfes, Krämpfe der Körper- und Gesichtsmuskulatur, Herzstillstand bald in Systole bald in Diastole (Le Dantec).
Der wirksame Bestandteil des Giftes ist das Strophanthin, ein Glycosid, nach Arnaud ein höheres Homolog des Wabains: Strophanthin C 31 II 4R 0 12 (andere Formeln: C 16 H 2 «0 R , C 2t H 31 0 10 , C 40 ir ;,i O ! '), Wabain C 30 H‘ ,! O 12 . Die angeblichen Gegenmittel der Eingeborenen sind von keinerlei Wirkung.
Behandlung s. auch S. 239. Bei Verletzungen von Menschen raten die französischen Autoren, möglichst bald eine feste Abschnürung des verletzten Gliedes oberhalb der Wunde vorzunehmen, um die Verbreitung des Giftes in den Organismus möglichst zu verhindern, die Pfeilspitze zu entfernen und die Wunde mit einer Tanninlösung oder in Ermanglung einer solchen mit der Abkochung irgend einer gerbsäurehaltigen Pflanzenrinde, Rotwein oder dgl. auszuwaschen. Verfasser zieht die breite Eröffnung und Aussaugen der Wunde mit darauffolgendem Ausbrennen mit dem Glüheisen vor, wenn die Anwendung von Schröpfköpfen nicht möglich ist.
Literatur.
1897 BoyS, BkRfiNi et Le Dantec, Etüde des fleches empoisonnees du Haut Dahomey.
Arch. de med. Navale. Decembre. p. 401.
1874 Valentin, Zeitschr. f. Biol. p. 133
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