Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238

Dr. Filippo Rho.

Hunde anderer Rasse zeigen. Aus neueren Arbeiten von Guixard geht hervor, daß bei einigen Tierspezies die Wirkung des Morphiums vorwiegend eine narkotische ist, während bei anderen das Mittel starke Erregung ohne jegliche Betäubung zur iolge hat. Ähnlich rufen starke Dosen Opium bei Negern und Malayen Krämpfe und Delirien hervor, während bei Angehörigen der kaukasischen Rasse danach tiefe Bewußtlosigkeit eiutritt, Der Rauch des Opiums und des indischen Hanfes- versetzt die Orientalen leicht in das Reich der Träume und wonniger Visionen, während dieser Zustand bei Europäern selten oder gar nicht eintritt. Wenn also- der Genuß einiger anregender oder narkotischer Genußmittel sich über die ganze Erde verbreitet hat (Tabak, Alkohol, soweit die Religion ihn nicht verbietet), andere dagegen eine Liebhaberei einzelner orientalischer Völker geblieben sind (Opium. Haschisch usw.), so hat dieses seinen Grund nicht nur in der Möglichkeit des An­baues oder Bezuges, sondern auch in der ungleichen physiologischen Einwirkung- dieser Stoffe auf die verschiedenen Rassen.

Diese Beobachtung gilt auch für die weniger stark wirkenden Reizmittel, wie Tee, Kaffee, Mate usw., deren ungleicher Verbrauch bei den verschiedenen Völkern schon aus den Handelsstatistiken hervorgeht. Die Völker der lateinischen Rasse ziehen den Kaffee dem Tee vor, welcher seinerseits das Lieblingsgetränk der angel- sächischen und slavischen Nationen ist. Die Spanier haben eine besondere Vorliebe für Kakao, wogegen der Genuß des Mate nie die Grenzen seines Heimatlandes überschritten hat.

Literatur.

1866 Corre et Lejeaxxe, Matiere medicale et toxicologie coloniale. Paris, 0. Doin.

1892 Husemax u. Hilger, Die Pflanzenstoffe. Berlin.

1900 Le Daxtec. Precis de Pathologie exotique. Paris, 0. Doin.

1894 Lewix, L., Die Pfeilgifte. Historische und experimentelle Untersuchungen. Berlin, G. Reimer.

1903 Derselbe, Traite de toxicologie. Traduction de G. Pocchet enrichie par lauteur et le traducteur. Paris, 0. Doin.

189596 Plaxchon et Collix, Les drogues simples dorigine vegetale. Paris, O. Doin.

1901 Pocchet, G., Legons de pharmacodynamie et de matiere medicale. le et 2>ne Serie. Paris, O. Doin.

1899 Taylor. Die Gifte. Deutsche Übersetzung von V. Seydeler.

1902 Villavecchia, Dizionario di merciologia e di chimica applieata. Genova, A. Donath.

1893 Watt, Dictionary of the economic products of India. London, Allen.

I.

Vergiftungen durch Pfeile und sonstige Waffen.

Der Gebrauch vergifteter Waffen reicht bis in die graue Vorzeit zurück. Eigentümliche Rinnen, welche an den von Paläontologen ausgegrabenen Pfeilspitzen erkennbar sind, können nur zur Aufnahme von Giften bestimmt gewesen sein. Naturgemäß war der Mensch bestrebt, die von seinen Wurfspießen und Pfeilen bei Feinden oder jagdbaren Tieren hervorgerufenen Verwundungen tödlich zu machen. Da diese aus einer gewissen Entfernung entsandten Waffen Haut oder Weichteile oft nur leicht verletzten, so suchte er den Erfolg der Verwundung durch Steige­rung der mörderischen Wirkung mittelst giftiger Stoffe sicherzustellen.

In den Gedichten des Altertums (Ramayana, Ilias) findet man Anspielungen auf die Verwendung vergifteter Waffen im Zeitalter der Heroen. Im geschichtlichen gerieten sie bei den Griechen und Römern außer Gebrauch, letztere lernten aber auf ihren Er-