Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.
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seine Wirsamkeit ist aber großen Schwankungen unterworfen (Lewin) und hängt von der Aufbewahrung ab. Bei völligem Abschluß atmosphärischer Einflüsse soll sie aber jahrelang erhalten bleiben.
Ambrosi studierte die Schwankungen des Giftgehaltes in verschiedenen von Cerruti eingesandten Proben und fand, daß die giftige Wirkung von dem Geschlecht und dem Alter des Baumes abhängig ist. Der weibliche Baum ist ungiftig, der Milchsaft junger männlicher Bäume enthält mehr Gummi und Harz, aber viel weniger Antiarin.
Baillon, Boinet und Hedon beobachteten die Wirkung giftiger Pfeilschüsse in den Kämpfen der Franzosen in Tonkin, besonders mit den Mois. Chauvet berichtet über zwei tödliche Vergiftungen. Van Leent hatte gelegentlich des Aufstandes der Dajaks zahlreiche Verwundungen durch Pfeilschüsse zu behandeln, erzielte aber durch eine energische Therapie stets Heilung.
Behandlung s. S. 239, außerdem wird die Anlegung von Kreuzschnitten, Schrüpfköpfen und Gliiheisen empfohlen. Die Eingeborenen schreiben ihren Gegengiften eine Heilwirkung zu, tatsächlich sind diese vollkommen nutzlos.
Literatur.
1902 Ambrosi, Su alcuni campioni di Antiaris toxicaria. Archivio di Farm, e scienze affini. Koma, Vol. I. fase X.
1888 Chauvet, Etüde sur les fleches empoisonnees de l’Indochine. Bordeaux.
1896 Kiliani, Uber den Milchsaft von Antiaris toxicaria. Arch. de Pharm. Bd. 234. S. 439.
3. Ipoh Aker und Aker Lampong.
Die Giftpfeile der malayischen Völker sind nicht immer mit dem Antiarissafte allein bestrichen. Oft wird das Extrakt von Stnjehnacecn diesem Mittel beigemischt oder auch ausschließlich verwandt in Verbindung mit anderen tatsächlich oft unschädlichen, von den Eingeborenen aber für giftig gehaltenen Zusätzen (Brei von Schlangenköpfen usw.). So gebrauchen die Orang Pangliam und die Dajaks auf Borneo eine Art Ipoh, in welchem Lewin Strychnin nachgewiesen hat, wahrscheinlich aus Strychnos Heute Lesch. Die Negritos auf Malakka benutzen in Verbindung mit Upasgift oder aucha llein Ipoh Aker aus Str.Wallichhma Benth., Aker Lampong aus Str.Main- yayi Clarke, sowie aus einer Lasiantlms-A.it (Rubiaceae) Prual genannt, welche an der Injektionsstelle Blutextravasate und Muskelstarre hervorrufen. Nach Lewin wirken die erstgenannten ähnlich wie Digitalis und Curare.
Benedicenti hat Muster von Aker Lampong analysiert und festgestellt, daß der einzige giftige Bestandteil der Pflanze die Wurzel und zwar deren Rinde ist. Die chemische Untersuchung führt zur Isolierung einer kristallinischen Substanz mit den allgemeinen Eigenschaften der Alkalien, welche jedoch weder Brucin noch Strychnin oder Curarin ist. Die geringe Menge ließ eine nähere Bestimmung nicht zu, die Anwesenheit eines Glycosids konnte jedoch ausgeschlossen werden.
Die physiologische Wirkung von Aker Lampong besteht im Verlust der Fähigkeit, willkürliche Muskelbewegungen auszuführen, Aufhören der Reflexe und schließlich dem Stillstand der Atmungs- und Herztätigkeit, Tod durch Asphyxie. Analog dem Curare ruft das Gift besonders motorische Lähmungen hervor, künstliche Atmung vermag das Leben der Versuchstiere zu verlängern. Eine andere Ähnlichkeit mit der Curarewirkung zeigt sich darin, daß der Urin der vergifteten Tiere FEHLiNG’sche Lösung stark reduziert.
Benedicenti hat ferner das Gift von Ipoh Aker untersucht, mit dem Pfeile überzogen waren, und erhielt im Gegensatz zum Aker Lampong die Strychnin- und Curarin-
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