Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.
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%onum, eine Pagamee usw. Vielleicht werden noch Gifte von Insekten und Schlangen beigemischt. Am oberen Orinoko kommen zwei Präparate vor, ein schwaches zum Gebrauche auf der Jagd aus Str. Gubleri und ein viel stärkeres aus Str. toxi fern. Das Extrakt wird in kleine Tongefäße gegossen, solange es noch flüssig ist, und dann durch Erwärmen und Trocknen an der Sonne etwas eingedickt. Auf diese Weise erhält man eine schwärzliche, ziemlich feste Masse von harziger Konsistenz. Aus dem Curare werden zwei Alkaloide hergestellt, ein amorphes in Wasser, Äther und Alkohol lösliches, das Curarin, und ein mit Metaphosphorsäure fällbares, das Cur in.
Vom Magen aus in kleinen Mengen aufgenommen ist das Curarin ohne besondere Wirkung und wird, wahrscheinlich wegen seiner raschen Ausscheidung durch den Urin sehr gut vertragen, subkutan eingespritzt lähmt es die motorischen Nervenendigungen der willkürlichen Muskeln. Der Muskel selbst bleibt unverändert und behält seine Kontraktilität, wie durch elektrische Erregung nachgewiesen werden kann. Warmblütige Tiere sterben schmerzlos infolge Lähmung der Atmungsmuskulatur bei erhaltenem Bewußtsein. Bei stärkerer Dosis werden nur die Endigungen des Nervus pueumogastricus im Herzen und die sensiblen Nerven gelähmt. Der Urin enthält Zucker, welcher jedoch fehlt, wenn sofort die künstliche Atmung eingeleitet wird (Sauer). Je nach der Qualität des Curare treten die Vergiftungserscheinungen beim Menschen nach Mengen von 0,05—0,12 Gramm auf. In dieser Dosis bewirkt das Gift Erschlaffung der Muskeln, Ptosis, Diplopie, Ohrensausen, Sprachstörungen, anfangs Steigerung, dann Sinken der Körperwärme, örtlich entzündliche Erscheinungen und induriertes Ödem.
Behandlung s. a. S. 239. Man sucht durch Waschungen, Ausspülungen und Einschnitte die Wunde von dem eingedrungenen Gifte zu reinigen, leitet dann die künstliche Atmung ein und sucht dann die Ausscheidung des Giftes durch die Harnwege durch reichliche Flüssigkeitszufuhr und diuretische Mittel zu fördern.
Literatur.
1891 Sauer, in Pflüg. Arch. B. XLIX.
1877 Steiner, Das amerikanische Pfeilgift Curare. Leipzig, Veit & Comp.
1866 Voisin et Lionville, Etudes sur le curare. Paris,
1891 Zuntz, in Pflüg. Arch. Bd. XLIX.
2. Upas Antiar (Ipoh Upas, Ipoh Kagu).
Es ist ein in dem Milchsaft von Antiaris toxicaria Lesch., einer zur Familie der Artomrpecn gehörenden und in den Malayenländern und Hinterindien heimischen Pflanze enthaltenes Gift. Der Baum kann eine Höhe von zwanzig Metern erreichen. Der gelbliche Saft wird durch Einschneiden in die Rinde der Zweige gewonnen, in Palmblättern oder Bambusrohr aufgefangen, getrocknet und mit anderen giftigen (Strychnaceen) oder ungiftigen Ingredienzien (Pfeffer, Knoblauch usw.) versetzt. Man hat dann eine wachsartige, braune oder leicht rötliche Masse vor sich, welche mit Wasser eine Art Emulsion bildet. Mit zwanzig Gramm dieses Gemenges werden etwa hundert Pfeile vergiftet. Im Gebrauch ist das Upasgift bei den Battaks auf Sumatra, den Dajaks auf Borneo, den Mois in Cochinchina und den Sakais in Malakka. Die beiden letzgenannten Stämme gehören zu den Negritos und werfen die Pfeile mit einer Schleuder.
Das wirksame Prinzip dieses Giftes ist das Antiarin, ein kristallinisches, wasserlösliches Glycosid von blaßgelber Farbe. Es ist ein Herzgift, welches das Herz zum Stillstand bringt. Vor dem Tode wird der Herzschlag unregelmäßig, und
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