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Bd. 1 (1905)
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Prof. Dr. A. Looss.

Negern sind Verkrüppelungen und Verlust von Zehen, Verkrüppelung eines ganzen Fußes infolge Vereiterung von Sehnen, Gangrän und Tetanus nicht selten zu beobachten.

Die Behandlung des eingedrungenen Sandflohes unterscheidet sich nach Mense in nichts von der eines anderen Fremdkörpers oder Abszesses und besteht in möglichst baldiger Extraktion des Parasiten und Reinhaltung der Wunden. Erstere geschieht durch Erweiterung der Eintrittsstelle mit einer Nadel oder einem feinen Messer (die Eingeborenen bedienen sich zu demselben Zwecke zugespitzter Hölzchen); wird dabei der Körper des Flohes verletzt, so ist auf Auswaschung und Desinfektion der Wunde besondere Sorgfalt zu verwenden; die Wunden heilen auch dann in der Regel ohne schlimme Folgen.

Zum Schutze gegen den Sand floh wird das Tragen fester Lederstiefel empfohlen, da Stoffschuhe und Strümpfe die Parasiten durchlassen. Auch Ein­reiben der Füße mit stark riechenden Substanzen (Petroleum, Nelkenöl) und An­wendung insektizider Mittel (Perubalsam, Insektenpulver) leisten gute Dienste. Dazu sollte eine regelmäßige, wenn möglich mehrmals täglich wiederholte Inspektion der Füße kommen. In Wohnungen kann man die Entwicklung der Brut der Sandflöhe durch häufiges Besprengen des Bodens bis zu einem gewissen Grade hintanhalten (Mense).

Von mancher Seite wird auf sorgfältige Vernichtung der extrahierten Sandfiöhe und der in ihnen enthaltenen Eier Wert gelegt. Schädlich ist diese Maliregel keinesfalls dürfte aber entbehrlich sein, da bis auf weiteres die Wahrscheinlichkeit besteht, daß die Sandfloheier erst entwicklungsfähig werden, wenn sie im mütterlichen Körper völlig ausgereift und auf natürlichem Wege abgelegt sind. Es dürfte sich lohnen, hier­über Versuche anzustellen.

Hauptsächliche Literatur.

1889 Blanchakd, R., Quelques mote sur la chique, in: Bull. soc. zool. de France. XIV. S. 93.

1899 Derselbe, Presence de la chique (Sarcopsylla penetrans) ä Madagascar, in: Arch. Paras. Paris, II. S. 627.

1894 Blandfoord, W. H. F., The chigoe in Asia, in: Entomol. monthly magaz. 2nd ser. V. S. 228.

1889 .1 ullien, J., La chique sur la cöte occidentale dAfrique, in: Bull. soc. zool. de France. XIV. S. 95.

1893 Manson, P., The Chigger or Sand-Flea (Pulex penetrans), in: Davidson's Hygiene and diseases of warm climates. Edinburgh and London. S. 96366.

1897 Mense. 0., Hygienische und medizinische Beobachtungen aus dem Kongogebiete, in: Wien. klin. Rdschau.

1898 Plehn, F., Die Kamerunküste etc. Berlin. S. 29193.

1899 Scheube, B., ArtikelSandfloh in Eulenbukgs Real-Encycl. der ges. Heilkunde. 3. Aufl. Berlin u. Wien. S. 24849.

1902 Thoussaint, Accidents graves produita par le Sarcopsi/lla penetrans (Iuce chique) etc., in: Arch. med. et pharm, mil. XXXIX. Janv. S. 4250.

Myiasis.

Mit dem Namen Myiasis bezeichnet man den Zustand des Körpers bei Invasion von Fliegenlarven. Die Gegenwart derselben gibt sich stets durch Symptome kund, die aber je nach der Spezies, der die Larven angehören und nach dem be­fallenen Organ in ihrer Art, je nach der Zahl der Larven in ihrer Intensität in weiten Grenzen wechseln können. Man hat die Myiasis daraufhin in verschiedene