Yon Würmern und Arthropoden heryorgerufene
Erkrankungen.
Von
Professor Dr. A. Looss, Kairo.
(Mit Tafel VIII u. IX.)
1. Würmer.
Ein zoologisch ziemlich heterogen zusammengesetzter Tierkreis, dessen gemeinsames Merkmal ein meist verlängerter, einfacher oder segmentierter Körper ist, in dem die Muskulatur in mehr oder minder kontinuierlicher Schicht unter der Haut verläuft und mit ihr zusammen den Bewegungsapparat (Hautmuskelschlauch) bildet. Außere Anhänge können vorhanden sein, sind aber niemals segmentiert. J )
Als Ursachen von Erkrankungen des Menscheu kommen hauptsächlich Angehörige von 3 Wurmklassen in Betracht, den Trematoden (Saugwürmern), den Cestoden (Bandwürmern) und den Nematoden (Fadenwürmern). Die beiden ersten Klassen werden auf Grund ihres meist deutlich abgeflachten Körpers als P1 athe 1 minthen oder Plattwürmer zusammengefaßt; ein weiteres charakteristisches Merkmal für sie liegt darin, daß ihr Körper keine eigentliche Leibeshöhle besitzt, sondern von einem lockeren Bindegewebe (dem Körperparenchym) erfüllt ist, in welchem die Organe fest eingebettet liegen. Die Nematoden bilden mit den Acanthocephalen oder Kratzern (die für den Zweck dieses Buches nicht in Betracht kommen) zusammen die Nemathelminthen oder Rundwürmer, ausgezeichnet durch einen auf dem Querschnitt kreisförmigen Körper, dessen Organe frei in einer wohlausgebildeten Leibeshöhle liegen. Betreffs weiterer Details vgl. die einzelnen Klassen.
Die hier genannten Wurmgruppen faßt man gewöhnlich unter der Bezeichnung „Eingeweidewürmer“ oder „Helminthen“ zusammen; sie nehmen, nachdem sie einmal in ihren definitivem Wirte angekommen sind, in diesem auch ihren ständigen Wohnsitz, den sie bis an ihr Lebensende freiwillig nicht mehr verlassen (ständige oder stationäre Parasiten). Auch unter den höchst organisierten, durch einen segmentierten, äußerlich geringelten Körper ausgezeichneten Würmern, den Ringelwürmern oder Anneliden kommen Arten vor, welche parasitisch leben, i. e. zu ihrer Ernährung auf die Körpersäfte lebender höherer Tiere angewiesen sind, die ihre Wirte aber nicht ständig bewohnen, sondern sie nur zum Zwecke der Nahrungsaufnahme aufsuchen und sie nach Beendigung derselben wieder verlassen (zeitweilige oder temporäre Parasiten). Es sind dies die Blutegel (Hirudinei oder Discophori). Gewisse Arten befallen nicht selten den Menschen und können ihm schweren Schaden zufügen.
J ) Wer sich über die Zoologie der hier besprochenen Parasiten näher informieren will, sei auf das vortreff liehe Handbuch von Braun: Die thierischen Parasiten des Menschen etc. 3. Aufl. Würzburg, A. Stuber’s Verlag, verwiesen.