Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
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Von Würmern und Arthropoden hervorgerufene Erkrankungen.

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Capillaren, während letzteres durch seine Zunahme nach innen hin das Lumen der Gänge verengt und damit den Abfluß der Galle hindert, nach außen zu das Leber­parenchym allmählich verdrängt, welches einer körnig-fettigen Degeneration anheim fällt. Den Ascites erklärt man durch die mehr oder minder intensive Störung des Pfortaderkreislaufes, die mit den beschriebenen cirrhotischen Prozessen verbunden ist. In einem von Askanazy publizierten Falle führt der Autor die Entstehung eines Gallertkrebses, der nachweislich von dem Epithel der Gallengänge ausgegangen war, auf den Parasitismus der Würmer als Ursache zurück; ein ähnlicher Fall wurde auch von Katsurada beobachtet.

Die Intensität und die Ausdehnung der Veränderungen hängt von der Zahl der im gegebenen Falle anwesenden Parasiten ab; dieselbe kann einige wenige bis zu Hunderten betragen, manchmal aber auch weit höher steigen. So zählte Kat­surada in einem Falle (in Japan) 43C1 Distomen und R. Blanchard schätzte in einem anderen (einen Annamiten betreffenden) die Menge der vorhandenen Würmer auf über 10000. Bei stärkerer Infektion findet man sie nicht selten auch in der Gallenblase, im Pankreas (Katsurada), oder selbst im Darme, der dann katar­rhalisch affiziert sein kann. In der die Gallengänge und Gallenblase erfüllenden Flüssigkeit treten massenhafte Eier der Würmer auf; nach Askanazy sind die ihrer Schale hier äußerlich anhaftenden Eiterzellen zum großen Teil eosinophil. Später gelangen die Eier in den Darm und werden mit den Fäces entleert.

Nach dem übereinstimmenden Urteile aller Beobachter sind die von den Leberdistomen produ­zierten Veränderungen beim Menschen prinzipiell dieselben, wie bei den als normale Wirte der be­treffenden Arten fungierenden Tieren, nur daß sie bei den letzteren, infolge des schnelleren und massenhafteren Importes der Wurmkeime gewöhn­lich stärker ausgebildet auftreten.

Unter den bis jetzt beim Menschen beobach­teten Leberdistomen sind zwei, vielleicht auch drei Arten von größerer Bedeutung. Sie alle sind ziem­lich zarte, flachgedrückte Tiere von mehr oder minder lang spindelförmigem Umriß, an den Rändern rings­herum weiß und durchscheinend, in der Mitte mit einem länglichen, gelb- bis schwarzbraunen Fleck.

Opisthorchis felineus (Ruvolta) 1885 .

(Distomo felineum Riv., Distoma sihirieum Wixogr.)

Ist aus Hunden und Katzen aus verschie­denen Teilen Europas schon seit langem bekannt, aber vielfach unrichtig bestimmt worden. Im Men­schen wurde der Wurm zuerst von Wixogradow in Tomsk in Sibirien aufgefunden (1891) und für eine neue Art gehalten (Distomum .si/nV/w?« Wixogr.), bis Braun seine Identität mit Distomum felineum Riv. nachwies. In Sibirien ist Opisthorchis feli- ncus der relativ häufigste Parasit des Menschen (6,45 %); vereinzelte autochthone Fälle wurden neuerdings von Askanazy in Ost­preußen konstatiert. Die Invasion war in keinem der bis zur Zeit beobachteten Fälle eine starke (Maximum ca. 200 Würmer) und auch nicht direkte Todesursache.

Fig. 4.

Rec.S.

Opisthorchis felineus (Riv.) vom Bauche gesehen, ca. 0 /,. Original. Sbl. männliche Samenblase, MecS Receptaculum seminis; andere Buchstaben wie in Fig. 3.