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Prof. Dr. A. Looss.
Die Leber des Menschen ist an manchen Orten häufig der Sitz von Trema- toden aus der Ordnung der Distomen oder Fascioliden, die, wenn sie längere Zeit oder in größerer Zahl anwesend sind, weitgehende pathologische Veränderungen des Organs hervorrufen. Die Parasiten gehören verschiedenen Arten an, von denen aber keine ausschließlich im Menschen, sondern daneben auch in gewissen Haustieren, teils Wiederkäuern wie Rind, Schaf usw., teils Hunden und Katzen vorkommt und bei diesen die gleichen Veränderungen hervorbringt. Einige Arten, wie Fasniola hcpatica (Abildo.) (= Distoma hepaticum Autt.) und Dirrocoelinm lanreatam St. et Hass. (= Distoma laneeolutinn Mkhlis) verirren sich nur ganz gelegentlich in den Menschen, andere relativ häufig und teilweise sogar sehr häufig. Diese letzteren gehören sämtlich der Gattung Opisthorchis R. Bi.ancharii 1895 an; es dürfte sich deshalb empfehlen, für die Erkrankung gleich den Namen Opisthorchiosis anzunehmen.
Opisthorchiosis.
(Leberdistomenkrankheit.)
Eine chronisch verlaufende, in allmählich zunehmender Störung der Leberfunktion sich äußernde und nicht selten zum Tode unter allgemeiner Erschöpfung führende Krankheit, welche durch den Parasitismus von Opisthorehisaitevi hervorgerufen wird.
Symptome.
Die Symptome hängen, wie bei allen parasitären Erkrankungen, wesentlich von der Zahl der im gegebenen Falle vorhandenen Parasiten ab. Während sie bei schwachen Infektionen objektiv und subjektiv kaum auffallen und die Gegenwart der Würmer dann nur zufällig bei Sektionen oder Stuhluntersuchungen konstatiert wird, macht sich bei stärkerer Infektion bald eine Vergrößerung und Druckempfindlichkeit der Leber bemerkbar, neben der Ikterus und Milzvergrößerung bestehen können. Mit der Zeit wird das anfangs noch erträgliche Allgemeinbefinden schlechter, es stellen sich immer häufiger teilweise blutige Diarrhöen, nicht selten auch Ascites, besonders der Beine ein, die Leber wird atrophisch und die Kranken kommen immer mehr herunter, bis sie schließlich an allgemeiner Kachexie oder einer inter- kurrierenden Krankheit zugrunde gehen. ,
Pathologische Anatomie.
Die pathologischen Veränderungen betreffen fast ausschließlich die Leber. Sie ist in frischen Infektionsfällen vergrößert, manchmal hyperäinisch, bei längerer Krankheitsdauer von normaler Größe oder verkleinert, und von mehr oder minder cirrhotischem Aussehen. Oberflächlich gelegene Gallengänge fallen schon von außen durch ihre verdickte, opakweiße Wandung auf. Beim Einschneiden zeigen auch die tiefer gelegenen in einem größeren oder kleineren Lebergebiete dieselbe Veränderung; aus ihnen kann man durch vorsichtiges, von der Peripherie beginnendes Drücken die Würmer einzeln oder in Knäueln, in eine zähe, gelbe bis schwarzbraune Gallenflüssigkeit eingehüllt ausdriieken. Manchmal finden sie sich auch in spindel- bis sackförmigen Erweiterungen der Gallengänge. Die von ihnen verursachten Veränderungen bestehen anfänglich in einer Obstruktion der Gallengänge, die zu Gallenstauung führt. Allmählich stellt sich erst katarrhalische Affektion des Epitheles mit Schleimabsonderung, später Entzündung mit nachfolgender Hyper- tropliie des Epitheles sowolü, wie des Bindegewebes der Gallengänge ein; ersteres bildet zahlreiche, in das hypertrophierende Bindegewebe hinein wachsende neue