Von Würmern und Arthropoden hervorgerufene Erkrankungen.
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Paragonimiasis.
Eine meist in Hämoptoe, nicht selten aber auch in schweren Gehirnerscheinungen sich äußernde, durch den Parasitismus von Paragonimus westcrmani (Kerbert) veranlaßte Krankheit, die gewöhnlicher als H a e m o p t y s i s p a r a s i t a r i a, L u n g e u - distomenkrankheit, und auch als endemische Hämoptyse bezeichnet wird. Der hier gewählte, zuerst von Stiles gebrauchte Name ‘) hat vor den anderen den Vorzug, daß er eindeutig ist und sich weiter spezialisieren läßt. Letzteres ist im gegenwärtigen Falle von Vorteil, da eine „Paragonimiasis des Gehirns“ leichter verständlich ist, als eine „Lungendistomenkrankheit des Gehirns“ oder eine „parasitäre Hämoptoe des Gehirns.“
Soweit zurzeit bekannt, ist die Krankheit besonders in Japan, ferner in einzelnen Teilen von China, Formosa und Korea heimisch.
Paragonimiasis der Lungen.
Symptome.
Die Lungenparagonimiasis stellt sich oft so schleichend ein, daß ihr Anfang nicht mit Sicherheit festzustellen ist. Nach Inouye folgt sie häufig auf Erkältungen, Pleuritis und verschiedene Infektionskrankheiten. Das vielfach einzige Symptom ist ein leichter, anfangs in längeren, später in kürzeren Zwischenräumen, nach körperlichen Anstrengungen allgemein verstärkt auftretender Husten, der oft von Heiserkeit und Brustschmerzen begleitet und stets mit Auswurf eines mißfarbigen Sputums verbunden ist. Der Auswurf ist gering, von zähsclileimiger Konsistenz und im allgemeinen dem bei Asthma sehr ähnlich; er enthält mehr oder minder zahlreiche, von Blut herrührende rote, sowie rot- bis rostbraune Flecke, in welch letzteren man unter dem Mikroskope Gruppen von Parasiteneiern erkennt; in dem Blute fehlen sie. Neben ihnen finden sich außer geformten Elementen des Blutes und der Lunge stets zahlreiche CiiARGOT'sche Kristalle. Die Menge des dem Sputum beigemischten Blutes (und damit die Farbe des Sputums) wechselt in ziemlich weiten Grenzen. In der Regel nimmt sie in der kälteren Jahreszeit, nach Alkoholgenuß, Tabakrauchen und Exzessen verscliiedener Art zu; bei starker Hämoptoe wird gelegentlich leichtes Fieber beobachtet (Inouye). Wirkliche Hämoptysen (nach Taylor stets arteriellen Ursprungs) sind selten, können aber unter Umständen große Dimensionen annehmen (Balz) und, wenn sie sich in Zwischenräumen von wenigen Tagen wiederholen, den Kranken anämisch machen und physisch herunterbringen. In der Regel bleibt der Ernährungszustand bei Lungenparagonimiasis ein guter. Taylor und (nach Inouye) Mimachi haben je einmal Aushusten eines erwachsenen Wurmes beobachtet.
Die Untersuchung des Thorax ergibt oft nichts Abnormes. Die am häufigsten beobachteten Veränderungen sind nach Inouye Retractio thoracis, und am Brustkörbe Zusammenschrumpfung des Infrascapularteiles. Manchmal bestehen verminderte Atemgeräusche, das Atmen ist vesikulär, aber sclrwach, seltener bronchial, mit trockenem oder feuchten, verschieden großen Rasseln verbunden. Als charakteristisch hebt Inouye hervor, daß alle physikalischen Veränderungen nicht über die ganze
') Das Prinzip seiner Bildung entspricht einem vielfach akzeptierten, neuerdings noch von Leichtenstern empfohlenen Brauche, nicht nur einen Krankheitszustand, sondern die Anwesenheit gewisser Parasiten beim Menschen schlechthin zu bezeichnen. „Ein Individuum kann also mit .... asis als einem Zustande behaftet sein, ohne an . . . . asis senäu strictiori zu leiden, d. h. krank zu sein.“
Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. I. ß