Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
84
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Prof. Dr. A. Looss.

Paraffonimws westermani (Kehbert 1878)

(l)istoma Rinijeri, Distoma pulmonale, Distoma pulmonum, Lungendistoma)

ist ein ganz erwachsen 810 mm langer, 46 mm breiter, fleischiger Wurm von eiförmiger, auf der Bauchseite meist etwas abgeplatteter oder selbst leicht aus­gehöhlter Gestalt (Fig. 2) und im Leben rötlicher, im Tode grauer Farbe. Auf der abgeplatteten Bauchseite liegen in der vorderen Körperhälfte die beiden Saugnäpfe, von denen der vordere stets eine Kleinigkeit größer ist, als der liintere. Seitlich und etwas hinter dem Bauchsaug­napfe findet sich die Genitalöffnung. Die Haut ist dicht mit gruppenweise angeordneten, langen Stacheln be­waffnet (Fig. 3).

Eine von Leuckakt vorgenommene genauere Unter­suchung der beim Menschen (Ringer, Formosa = Distoma Ringeri Cobbold 1880 und Bälz, Japan = Distomum pulmonale Balz 1883) gefundenen Exemplare ergab deren Identität mit dem 1878 von Kekbert aus den Lungen des Königstigers (Zool. Garten Amsterdam und Hamburg) beschriebenen Distomum ivestermani; letzterer Name ist als der älteste demnach beizubehalten.

Aulier beim Menschen findet sich Faragonimus westermani in Japan noch in der Lunge der Katze, des Hundes, des Schweines und des Rindes. Neuerdings ist eine ähn­liche. möglicherweise sogar dieselbe Form auch in Nordamerika in der Katze (Ann Arbor, Michigan, Ward

1894) , im Hunde (Columbus. Ohio, Kellicott 1893, von Ward identifiziert

1895) und im Schweine (Cincinnati. Ohio, Payxe 1898) aufgefunden worden; Fälle von Infektion des Menschen wurden dagegen in Amerika bis zur Zeit noch nicht beobachtet. Ob es sich in allen diesen Funden um dieselbe zoologische Spezies handelt, ist noch nicht lestgestellt, indessen nicht sehr wahrscheinlich ; vom medizinischen Standpunkte aus dürfte diese Frage bis auf weiteres ohne Bedeutung sein.

Entwicklung. Die mit einer bräun­lichgelben. doppeltkonturierten Schale versehenen Eier (Fig. 10 Taf. IX) be­sitzen eine regelmäßig ovale Gestalt und sind an dem einen Pole mit einem etwas abgeplatteten Deckel ausgestattet. Ihre Größe wird von den Autoren ziem­lich verschieden angegeben (0,080,1 mm Länge bei 0,050,07 mm Dicke); persönlich habe ich sie, in intakten Würmern, nur zwischen 0,077 und 0,081 mm lang und zwischen 0,04(1 und 0,05 mm dick gefunden; bei den höheren Angaben dürfte es sich demnach entweder um Eier anderer Spezies, oder um stark gec]uetschte Eier von Paragonimus westermani gehandelt haben, bei welch letzteren auch der Deckel leicht auf­springt. Bei der Ablage enthalten die Eier in der Nähe des Deckelpoles eine noch un­gefurchte, runde und durchsichtige Eizelle, die von einer Anzahl körniger Dotterzellen umgeben ist. ln dieser Form werden sie mit den Sputis entleert, finden sich aber auch

Fig. 3.

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Faragonimus westermani vom Bauche gesehen ca. 8 / 1 . Original. Ex Exkretionsblase, GO Genital­öffnung, Hod Hoden. Oo Ovarium, Sch Sclialen- driise, JJt U terus.

Fig. 2.

Faragonimus westermani (Kerb.) ; rechts Rücken-, links Bauchlage,/i- Nach Katsueada.