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potamien eines vor Afrika voraus, das Vertrauen des deutschen Kapitals, das unserem Kolonialbesitz leider sehr gefehlt hat; aber die vorhandenen Schwierigkeiten sind durch Kapital allein nicht zu überwinden. Selbst Männer, die Mesopotamien als das Land der Zukunft betrachten, können sich dem nicht ganz verschließen.
Im Verlage von Klemens Reuschel, Berlin, ist „von einem deutschen Volkswirt" eine kleine Schrift erschienen: „Mesopotamien, das Land der Zukunft, seine wirtschaftliche Bedeutung für Mitteleuropa". Der Verfasser hält sich von den ärgsten Übertreibungen fern, besonders der Überschätzung der Anbaufläche; aber er meint doch:
„Die Türkei wird nach jahrzehntelanger kräftiger Förderung fähig werden, an Deutschland alle fehlenden Mengen von Weizen, Gerste, Mais, Obst, Wolle, Baumwolle, Petroleum, Fetten, Ölen, Leder, Kupfer, Eisenerzen, Tabak usw. zu liefern, sofern nur die Tätigkeit der deutschen Fachleute und des deutschen Kapitals künftig ungehemmt zugelassen und die Planung und Ausführung fremdländischer, vor allem englischer und französischer Projekte, verhindert wird."
Der „deutsche Volkswirt" sieht also ein, daß jahrzehntelange Arbeit und außer Kapital auch noch andere Vorbedingungen nötig sind. Aber trotzdem schwelgt er noch in Phantasien. Zu seiner Zukunftsmusik ist nur zu bemerken, daß die angeführten fehlenden Mengen 1913 einen Einfuhrwert von annähernd 3700 Millionen Mark hatten. Im Jahre 1913 führten wir aus der Türkei für 74 Millionen Mark Waren ein; glaubt der „deutsche Volkswirt" im Ernste, daß diese Einfuhr in einigen Jahrzehnten auf 3,7 Milliarden Mark steigen kann?
Es wird schon sehr viel sein, wenn der deutsche Handel mit der Türkei, der sich 1913 in Ein- und Ausfuhr auf 172,4 Millionen Mark beließ bis 1925 auf 500 Millionen Mark ansteigt. Der Handelsumsatz der deutschen Schutzgebiete betrug aber schon 1913 rund 520 Millionen Mark, und nach vorsichtiger Schätzung war ein Ansteigen auf eine Milliarde bis 1920 zu erwarten. Ohne den Krieg hätten unsere Kolonien sicherlich in wenigen Jahren diesen Stand erreicht.
III.
Die Schwärmerei für Vorderasien und insbesondere für Mesopotamien und die gewaltige Überschätzung dieser Länder beruhen auf einer ebenso großen Unterschätzung der Leistungsfähigkeit unserer Kolonien und Verkennung der Entwicklungsstufe, die sie erreicht hatten.
Die deutschen Schutzgebiete haben vor Kriegsausbruch einen Bestand von annähernd 6 Millionen Stück Großvieh gehabt (1V? Millionen