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Das deutsche Kiautschou-Gebiet und seine Bevölkerung : Kartenkrokis und statistische Tabellen / entworfen und zusammengestellt von Offizieren des Gouvernements
Entstehung
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Das Nordgebiet.

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Allgemeine Bemerkungen. 1 )

Ueber das bei den statistischen Erhebungen beobachtete Verfahren berichtet der leitende Offizier:

Ein Offizier musste mit dem Ortsältesten bezw. Schullehrer verhandeln und ihnen die einzelnen An­gaben abnötigen, während ein anderer die einzelnen Gehöfte zählte und sich von der Einwohnerzahl, Vieh etc. überzeugte. Die Chinesen machten fast stets zu niedrige Angaben und kamen unseren Anfragen überhaupt mit Misstrauen entgegen. In der Regel gab es zunächst keinen Ortsältesten, auch keine Schule u. s. w., dann war der Ortsälteste krank, tot, im Nebendorf, auch in Peking, kurzum, es waren fast stets einige energische Verhandlungen nötig, um dieser Leute habhaft zu werden. Besonders trat diese Erscheinung in den Ortschaften zu Tage, in denen noch keine Truppe gewesen war, während diejenigen Dörfer, die schon mehr Vertrauen gewonnen hatten, bereit­willig richtige Angaben machten.

Die Differenzen in der Gehöfte-Zahl erklärten die Ortsältesten dadurch, dass viele Häuser verlassen seien. Diese Angaben bestätigten sich auch, es waren meist Kulihäuser, deren Insassen in Tsfntau in Arbeit getreten sind.

Die Bevölkerung ist sehr beweglich. Kaufleute sowohl wie Arbeiter scheinen ihre Wohnplätze nach Jahres­zeit, Geschäft und Arbeit zu nehmen. Während Tsang-kou z B. im Monat Juni gänzlich verlassen war, herrschte jetzt dort regster Handel. Alle Häuser waren mit Chinesen voll belegt, so-ko-kou (Abschnitt I, No. 3) und Scha-dse-kou (Abschnitt III, No. 29). Die Bevölkerung muss ich als durchschnittlich arm bezeichnen. Wie ich schon berichtet habe, machen die Küstenplätze hiervon eine Ausnahme. Die Ebene im Abschnitt I ist unser bester Landesteil, vorzüglicher Boden, üppig angebaut, scheinbar aber in Händen einiger wohlhabenden Chinesen. Dies schliesse ich aus den bestellten grossen Schlägen, die der Kleinbauer auch hier nicht kennt.

Wohlhabend sind ferner einige Dörfer im Abschnitt III, IV und V.

Die ärmste Bevölkerung weist Abschnitt II auf. Beurteilt man den Bildungsgrad der Bevölkerung nach der Anzahl der Schulen, so ist das Resultat nicht ungünstig, da fast jedes Dorf eine Schule, grosse Dörfer deren bis sechs haben. Die Schulen waren durchschnittlich von zehn bis zwölf Schülern besucht. Aufgefallen ist, dass in vielen Dörfern Schullokale, aber keine Schüler und Lehrer waren, es seien augenblicklich keine Schulkinder vorhanden, wurde mir zur Auskunft Das Aussehen des Schulgebäudes liess auch darauf schliessen, dass es längere Zeit verlassen war.

Unangenehm bemerkbar machte sich der sogenannte bildende Einfluss der neuen Kolonie in einigen Dörfern very good 110 good u. s. w. wurde uns mit grosser Befriedigung meist von Gesindel aufgetischt.

In der Masse wird der Chinese manchmal lästig durch seine Aufdringlichkeit; man muss stets mit einem einzelnen verhandeln und ein Hereinreden anderer nicht dulden. Ernstem, ruhigem, bestimmtem Zureden fügt sich fast jeder. Während der Aufnahme bin ich niemals ernstlich belästigt worden, obwohl ich meist allein war und die Chinesen besonders empfindlich sind, wenn man unaufgefordert ihr Haus betritt.

In einzelnen Ortschaften waren die Einwohner sehr scheu, man hatte uns scheinbar aus den Nebendörfern angemeldet. Bei unserer Ankunft fanden wir dann die betreffenden Dörfer wie ausgestorben vor. Die Gehöfte waren geschlossen, das Vieh eingetrieben, und kein Mensch war zu sehen. Dies fühlte zu Verzögerungen.

Die Ortschaften sind nach ein und derselben Art angelegt. Meist an Flussläufen gelegen, sind die Häuser,

») Der Name jedes Dorfes wurde mehrfach festgestellt, sowohl in dem betreffenden Dorf selbst durch den Schullehrer oder Orlsältesten, oder irgend einen besseren Chinesen, der schreiben konnte, als auch in den Nebendörfern, damit Irrtümer bezw. Be­trügereien der Chinesen nicht unterlaufen konnten.

Diese Namen wurden dann, sobald die Aussprache für uns Europäer verständlich war, deutsch niedergeschrieben und dem­nächst abschnittsweise dem Gouvernement (Landamt) zur Prüfung und Richtigstellung eingereicht. Hiernach wurden die Listen angefertigt. In endgiltiger Form ist hierdurch die Schreibweise nicht festgelegt.