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Die Arbeiterfrage in der deutschen Südsee unter Berücksichtigung der englischen Fidschi-Inseln : ein Beitrag zur Lehre von der Volkswirtschaft in tropischen Ländern / von Hugo Gördes
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sucht werden, die körperliche und geistige Leistungsfähig­keit der vorhandenen oder beschafften Arbeitskräfte rein ökonomisch umzuwerten; denn wie überall bildet auch hier eine richtige Oekonomik die exakte Grundlage für Wirt­schafts- und Sozialpolitik.

II. Kapitel:

Die Oekonomik der farbigen Arbeit.

Die Preisbildung für die Produkte unserer Kolonien findet im Welthandel statt; rechtlich sind die Schutzgebiete für uns Zollausland, ihre Waren müssen an dem inter­nationalen Wettbewerb teilnehmen. Der Preis wird sich also nicht nach den dortigen Gestehungskosten bilden können. Sinkt der Weltmarktpreis, so muss das Produkt unserer Kolonien billiger werden; tritt dieser Umstand z. B. bei Kopra ein, dann muss man durch Kultur und Düngung die Erträge der Kokospalmenplantagen steigern, durch Mittel der Technik das Produkt besser und billiger gewinnen, bei der Bodenbearbeitung alle Mittel der mo­dernen Landwirtschaft anwenden, vor allem aber dafür sorgen, dass reichliche und im Verhältnis zu ihrer Leistung billige Arbeitskräfte vorhanden sind.

Billige Arbeitskräfte in genügender Zahl zu beschaffen, darin besteht in unseren Südseebesitzungen die ganze Arbeiterfrage; davon hängt die Entwicklung, unter Um­ständen bei sehr starkem Sinken der Konjunktur die wirtschaftliche Existenz Samoas und Neuguineas ab. Bis jetzt hat man vor allem den Mangel an Arbeitskräften überhaupt verspürt. Die Preise für Kopra, die dauernd eine steigende Tendenz aufweisen 1 ), liessen gegenüber dem Mangel die Frage der Beschaffung billiger Arbeitskräfte etwas in den Hintergrund treten. Das wird anders, wenn der Weltmarktpreis einmal sinken sollte.

Bei der Produktion in unseren Kolonien spielt der Faktor Arbeit die wichtigste Rolle. Der Boden bietet Schätze in überreichlichem Masse, die nur durch die Arbeit gehoben zu werden brauchen. Das Kapital tritt demgegen­über in den Hintergrund.

Billig ist aber hier ein relativer Begriff. Die Kosten, welche Anwerbung, Verpflegung, Löhnung, Heimbeför­derung der Arbeiter verursachen, müssen in Beziehung

') Jahrbuch 1910 S. 85, 1912 S. 111.