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Im Abbau von Phosphaten auf Nauru und Angaur sind etwa 200 Chinesen beschäftigt. Früher war ihre Zahl bedeutend höher, jetzt wird der chinesische Kuli in starkem Masse durch den Karoliner verdrängt. 1 )
In Samoa sind unter sämtlichen, 1911 dort beschäftigten Arbeitern (2355) 1340 Chinesen, 854 nichteingeborene Süd- seeinsulaner.
Bei der nachfolgenden näheren Betrachtung dieser Arbeiterelemente sollen die sog. Heimarbeiter und überseeischen Eingeborenen in Zusammenhang behandelt und den fremden farbigen Arbeitern gegenübergestellt wei den.
A. Die eingeborenen Arbeitskräfte.
Wie bereits gezeigt wurde, wächst der Bedarf an Arbeitskräften. Es wäre daher nötig, dass eine der Neuanlage und Ausdehnung der Pflanzungen entsprechende Erschliessung neuer Anwerbegebiete vor sich ginge, bei gleicher Rekrutierbarkeit der alten Anwerbegebiete, oder aber, dass die alten Anwerbegebiete den gesteigerten Anforderungen Genüge leisten könnten.
Die Erschliessung neuer Anwerbegebiete ist an ein gewisses Tempo gebunden. Einmal bestehen in den nicht erschlossenen Gegenden mancherlei Schwierigkeiten. Die Eingeborenen sind bisweilen infolge früherer Kämpfe erbittert und flüchten bei der Annäherung eines Anwerbe- schiffes oder verhalten sich direkt feindlich. Oft wohnen sie auch zu weit ab von der Küste und kommen aus diesem Grunde für die Anwerbung nicht in Betracht. Dazu kommt, dass die Leute das erste Mal nur sehr wenige der ihrigen ziehen lassen; erst wenn diese gesund und reichlich beschenkt bald heimkommen, verstehen sich mehrere dazu, dem weissen Mann zu folgen.
In den alten An Werbegebieten wächst nach privaten und amtlichen Mitteilungen die Neigung, beim Europäer einige Jahre zu arbeiten. Aber „dieser günstigen psychischen Konstellation, die teilweise durch eine Art Hypnose gestützt wird, die vom Weissen ausgeht, wirkt eine ungünstige physiologische Tatsache entgegen“, 2 ) die Tatsache, dass die Zahl der Eingeborenen in manchen alten Rekrutierungsgebieten eher in Rückgang als in der Zunahme begriffen ist.
*) Amtlicher Jahresbericht 1911/12 S. 162.
2 ) Thurnwald, Koloniale Rundschau 1910 S. 617.