b. Stammbäume von Aana.
(I)ie fetten Ziffern bei den Namen bedeuten die Reihenfolge der Generationen. Näheres darüber in Abteilung VII.)
1. Die Tuiaana-Ernennung des Mata'afa am 22. November 1898.
Ich glaube nicht besser die Verleihung eines grossen Titels schildern zu können, als wenn ich mein eigenes Erlebnis liier erzähle. Nachdem ich gehört, hatte, dass die Ausrufung des Mata'afa zum Tuiaana am 22. November 1898 vormittags stattfinden solle, begab ich mich an jenem Morgen nach Mulinu'u in das Haus, welches dem Mata'afa nach seiner Zurückbringung von Jaluit als Aufenthalt angewiesen worden war. Da ich natürlicherweise zu früh eintraf, sass icli noch eine geraume Zeit mit Mata'afa und Talala im Hause zusammen, bis letztere mit dem Ausruf „ö mal tamäli'i“ 1 verschwand. Als ich mich auch aus dem Hause entfernen wollte, hat mich Mata'afa dazubleiben und wies mir einen Pfosten im hinteren Teile des Hauses an. Es kamen alsbald 13 Häuptlinge und Hessen sich schweigend nieder. Mata'afa hatte mitten in der Hausrundung, welche Apia zu liegt, auf einem Mattenthron Platz genommen, der Salelesi sass in seiner Nähe zu seiner Rechten. Nun stellten sich zwei Männer (es waren Umaga und Pasese, die tu'itu'i des Tuiaana) zur Rechten und Linken des Mata'afa auf und sangen, ungefähr ein dutzendmal neu ansetzend, in langen ü-Tönen aus, während alle andern stille dasassen. Jeder von den beiden Rufern hatte die Spitze eines Kokoswedels in der Hand; als sie ausgesungen hatten, warfen sie die beiden Wedel vor den Mata'afa hin und sprachen: Tuiaana lea, e pa'ia, etupu! „Dies ist der Tuiaana, er ist geheiligt, er ist König!“ Darauf setzten sie sich beide an den nächsten Pfosten zur Rechten und Linken des Mata'afa und etwas voraus, so dass sie beide ungefähr fünf Schritte von ihm entfernt sassen. Dann sprach Lemana und beglückwünschte den neuen Tuiaana in wohlgesetzter Rede, und Mata'afa dankte darauf mit bewegten Worten. Er sagte, er sei in Angst wegen der hohen Namen; er und seine Familie werden Leulumoega und Lnfilufi dienen. In dieser Arbeit hoffe er auf Gott. Dann gab Alipia der Hoffnung Ausdruck, dass der König gesund bleibe und Gott mit ihm sei, zum Heile von Samoa. Darauf rief Lemana: Su'esu'e mai se tatou 'ava! (Sucht für uns Kawa!) Worauf einer der 'aumaga drei Stücke Kawa brachte; und alle sprachen: Fa'afetai mau 'ava! „Danke, dass wir Kawa bekommen haben!“ Und Lemana zeigte die Stücke vor und sprach: Tolu fasi 'ava nei 'ua ia te a'u! „Drei Stücke Kawa habe icli hier!“ Sie stellen Lnfilufi, Leulumoega und Pnle 2 vor. Mögen sie einig sein! Und nach den Kawakauern rufend, der 'aumaga, warf er diesen, als sie herbeistürzten, die Stücke zu, welche alsbald zerschnitten und aus- geteilt. wurden. Ehe indessen die jungen Leute zu kauen anfingen, ging einer mit der Wasserflasche an der Reihe der auf dem Grasboden westwärts sitzenden jungen Leute längs, jedem Wasser in den Mund giessend, damit er diesen ausspiile, und nun begann das allgemeine Kauen, währenddem im Hause die Reden fortgesetzt wurden. Als nun jeder der Kawakauer seinen Bissen (maga) in die Kawaschale gelegt hatte, rief Lemana: 'Aumai le tanoa. Die Kawaschüssel wurde alsbald ins Haus gebracht und der Sohn des Malietoa Pe'a, Fa'alata mit Namen, rührte sie nun, sich vor die Schüssel setzend, im Hause an, während Lemana stellend Wasser zugoss. Als die Kawa probiert war, indem man einige Male den Kawaseiher in der Höhe von 1—2 m über der Schüssel ausgedrückt hatte, so dass die Kawa in die Schüssel hinabfloss, kauerte sich der Sohn des Lemana, Taipua'a, der Schüssel gegenüber und zwar zwischen dieser und Mata'afa, zusammen, eine rohe, eben erst fertig gebrochene Kokosschalenhälfte in den Händen; und nun ging einer stetig zwischen der Kawaschüssel und dem Becher hin und her, jedesmal eine kleine Menge Kawa aus dem Seiher in der Höhe in die untergehaltene Schale fliessen lassend, jedesmal den Seiher neu in die Kawaschiissel eintauchend, und denselben Vorgang wiederholend, bis der Becher voll war, den dann der Taipua'a in gebückter Stellung dem Mata'afa überbrachte 3 . Nachdem Mata'afa getrunken hatte, dann erst rief der Kawamischer aus: 'Ua usi le 'ava! „Die Kawa ist fertig.“ Dann erst klatschte man in die Hände und darauf wurden
1 tamäli'i, eigentlich Häuptlingssohn, hier „die Häuptlinge kommen!“
‘‘ Pule ist Safotulafai. Lauati. der erste Sprecher von dort, hatte sich auf die Seite der Tumua geschlagen, und ganz Savai'i kam mit ihm.
3 Es muss erwähnt werden, dass Taipua'a vorher seine Hände gewaschen hatte, so dass er allein den Becher, aus dem der Geweihte trank, zu berühren wagen durfte. In anderen Fällen überbringt der Leibdiener den Becher, nachdem er ihn dem l'berbringer abgenommen hat.