Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1902) Verfassung, Stammbäume und Überlieferungen
Entstehung
Seite
146
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Abteilung IV.

Upol u.

Einleitung.

Upolu ist die zweitgrösste Insel von Samoa und hat nicht viel mehr als die Hälfte des Flächen­inhalts von Savai'i, nämlich 868 qkm. Durch seine schlankere Gestalt und reichere Gliederung aber erreicht es nahezu dieselbe Länge der Küstenlinie, welche annähernd 200 km beträgt, und da seine Küsten überdies weit weniger schroff sind als die von Savai'i, ja im Gegenteil grosse Niederungen von Riffen geschützt hier auftreten, wie z. B. das nördliche Aana, so ist es leicht verständlich, dass Upolu reicher bevölkert ist als Savai'i (bei Langhaus ist 17 500 angegeben). Dies erklärt sich leicht daraus, dass die samoanischen Dörfer heute alle am Meere liegen bis auf einige Sprengel, deren freilich auf Upolu am meisten inlands liegen, wie bei Apia, Falefä, Falealili u. s. w. zu ersehen. Ehemals freilich scheint dies anders gewesen zu sein; denn nach den Berichten von Stair ging man ehemals von Falelatai nach der Nordküste, wenn man den Gebirgskamm am Fusse des Berges Tofua überschritt, stetig von Haus zu Haus, da, wo heute alles öde und verlassen ist, und die alten See­fahrer berichteten von Aleipata, dass sie die Häuser weit hinauf an der Berglehne liegend gesehen hätten, wo heute kein Haus mehr inlands liegt, Wenn man auch nicht allzuviel auf diese Angaben wird geben dürfen, so sind doch zweifellos zahlreiche Plätze heute noch bekannt, wo einstens grössere Inlanddörfer lagen, wie z. P>. Afolau hinter Mulifanua, Yaigafa hinter Lotofaga u. s. w. Aber sonst lagen die meisten und wichtigsten Dorfschaften heute wie ehedem am Strande, wo das Leben angenehmer verfliesst.

Nicht allein an Grösse steht aber Upolu hinter Savai'i, sondern auch an Höhe. Es ist von einem Hauptgebirgskamm (tuasivi) der Länge nach durchzogen, welcher von Westen ab langsam an­steigend in der Mitte die Höhe von ungefähr 1000 m erreicht und nach Osten zu wieder abfällt bis auf ungefähr 250 in auf der Passhöhe zwischen Falefä und Salani; von hier ab steigt der Kamm wieder bis auf ungefähr 600 m (Krater Olemaga in Aleipata) an und verliert sich dann in sanfte Böschung ostwärts.

Rechnet man die Linie Apia Maugafiamoe Safata als Mitte, so bekommt man einen Ostteil und einen Westteil von Upolu, welche sich scharf voneinander unterscheiden, wie schon Dana betonte und ich es auch in meinem Buch über die Korallenriffe ausführte. Der Westteil gleicht nämlich einem Dache, auf dessen First sich mehrere Schlote erheben, westwärts der 650 m hohe Kraterkegel Tofua, mehr der Mitte zu und die Krater im Kamm eingebettet, der Siga'ele, der See Lanuto'o 1 mit den beiden kleineren Nebenseen Laloanea und Lanoatata, Ersterer, auf ca. 700 m Höhe ge­legen, von einem ungefähr 30 m hohen Kraterraml umgeben, hat eine runde Form und ungefähr 1 km im Durchmesser. Der Laloanea liegt ungefähr 3 km westlich (W. z. S.) vom Lanuto'o und hat einen Durchmesser von ca. 200 m. Der Lanoatata, von derselben Grösse, liegt südwestlich (SW. z. S.) vom Laloanea und ungefähr 2 km entfernt, Wohl 6 km östlich vom Lanuto'o liegt direkt hinter dem Apiaberg der Maugafiamoe, und diese Lage beider giebt eine treffliche Ansteuerung für Apia, wenn man sich noch weit entfernt auf hoher See befindet. Beide Berge, den Apiaberg und den

1 Den Riffeinlass von Safata peilt man vom Lanuto'o aus in S. 8° W. missweisend.