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Im Gegensatz zu den 6 Distrikten von Savai'i hat Upolu zwar nur 3 Distrikte, aber trotzdem bedeutend mehr Dorfgemeinden (44 gegen 36), von denen verschiedene, wie Vaimauga, Safata, Falealili ähnlich Iva in Savai'i sogar die Rolle von Unterdistrikten spielen, wie z. B. auch Alei- pata ein Unterdistrikt von Atua ist. Dies deutet zur Genüge auf die grössere Bevölkerung ITpolu’s und zugleich auch auf den Grund hin, warum diese Insel die wichtigste unter den Samoa-Inseln ist, weil sie nämlich als die am stärksten bevölkertste, die mächtigste war. Wie schon oben des öfteren betont, waren es denn auch die Oberhäuptlinge der 3 Distrikte dieser Insel, nämlich die Tuiaana in Aana, die Malietoa in Tuamasäga und die Tuiatua in Atua, welche seit alters als die mächtigsten Häuptlinge von Samoa galten und die Oberherrschaft in Händen hielten. So kam es auch, dass die Namen der ersten Häuptlingsfamilien dieser Insel von Savai'i und Tutuila eifrig begehrt wurden und deshalb allenthalben in der fa'alupega dieser beiden zu finden sind. Besonders mächtig war aber, wie schon in der Geschichte der Verfassung (II. a. 1) ausgeführt wurde, der Hauptort von Aana, Leuluinoega, welcher denn auch mit Recht als die politische Hauptstadt von Samoa angesehen werden muss, während Apia eben nur die Hauptstadt der Weissen ist. Der unausbleibliche Wechsel hierin, welcher von Jahr zu Jahr mehr und mehr sich vollzieht, aber noch lange nicht als abgeschlossen betrachtet werden darf, bedeutet zugleich die Auflösung der politischen Ordnung des alten Samoa, welche durch die politische Neuordnung seitens Deutschlands und den Vereinigten Staaten natürlich beschleunigt wird.
Die fa'alupega von ganz Upolu geht aus der fa'alupega von ganz Samoa (siehe p. 18)
hervor.
A. Aana.
a. Fa'alupega von Aana.
Der Distrikt, die Landschaft Aana, nimmt den westlichen Teil von Upolu ein und wird in zwei Teile geteilt, die Nordküste, itu alofi genannt, und die Südküste itu tuafanua. Auch die beiden am Westende gelegenen Inseln Manono und Apolima werden zu Aana gerechnet, obwohl Manono politisch in näherer Beziehung zu Tuamasaga stellt, Die Nordküste, welche eine breite, sanft ansteigende Ebene bildet und welche von einem breiten Strandriff in ihrer ganzen Ausdehnung meenvärts geschützt ist, welches sogar, das Westende der Insel mit Manono umklammernd, noch eine Strecke weit an der Südküste sich hinzieht, dieser ganze Teil ist überaus reich bevölkert. Dorf reiht sich hier an Dorf, alle zumeist auf Sandstrandebenen gelegen, am stillen Lagunenwasser, während hier Buchten und grössere Rilfeinlässe nahezu gänzlich fehlen. Nur bei Maina, an der Grenze von Aana, ist ein Riffeinlass für kleinere Kutter vorhanden, welche bei Hochwasser hier innerhalb der Lagune bis Mulifanua zu fahren vermögen, wo eine etwas grössere Riffausbuchtung auch grösseren Schiffen wenigstens einen Ankerplatz gewährt, lm Gegensatz zur wasserlosen Nordküste ist die Südküste zum Teil wenigstens sehr schroff. Dies gilt vornehmlich für die Gegend zwischen Falelatai und Lefagä, welche durch einen vom Tofuakegel ausgehenden Hölienzug eingenommen wird, der, um von einer zur andern Dorfschaft zu kommen, in ca, 300 m Höhe überschritten werden muss. Da dieser Höhenzug ins Meer hinauslaufend ziemlich steil abfällt, so bildet er an beiden Seiten je eine Bucht, welche aber beide durch Korallenriffe unzugänglich gemacht sind. Auch die schroffe Seeseite dieses Ausläufers bildet mehrere allerdings sehr kleine Ausbuchten, welche als Fagaiofu, Fa gal ei, Fagafuö, Fagasele, To'aga'a und To'auli (von W. nach 0.) bekannt sind. Diese Gegend ist überaus Sagenreich. Zahlreiche Dämonen trieben hier ihr Unwesen, wie z. B. ein am Pass auf der Höhe Mafafa hausender Dämon die Reisenden liier überfiel. Von Lefagä ostwärts aber ist Steilküste wie in Savai'i bei Lealatele, Taga u. s. w.
Der Name Aana stammt angeblich vom Sohn des Pili Namens Ana (siehe II. b. 2. p. 25). Die Angabe Turners (p. 232), dass der Name von Sinaleana oder Sinaaana 1 , der Mutter des Pili, käme, ist nicht minder mystisch. In jedem Falle erscheint es richtiger Aana und nicht A'ana zu schreiben.
siehe die Bemerkung 1 zu Tagaloalagi im Stammbaum des Pili II. b. 2. p. 25.