Kongo—Albcrtsee.
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Verbindung des Kongo mit dem Albert- und dem Tanganjika-See.
Als nach Vollendung der Balm Matadi -Leopoldville die planmäßige Durchführung des Transcongolais m:t Hilfe von l.'mgehungs- bahnen und Schiffahrtsstrcckcn sichcrgestellt war. blieb noch die Aufgabe zu lösen, diese Verkehrsstraße mit dem Nordosten und Osten der Kongokolonie, insbesondere mit dem Albert- und dem Tanganjika-See zu verbinden. Zu diesem Zwecke entstand im Jahre 1901 die Gesellschaft der Eisenbahnen du Congo Supdrieur aux Grands Lacs Africains. Nach den ursprünglichen Vereinbarungen vom 4. Januar 1902 und vom 18. Juni 1903 sollte die Gesellschaft
1. eine etwa 1120 km lange Eisenbahn von den Stanlcyfällen, von Stanleyville, in nordöstlicher Richtung, durch das kautschuk- reiche Urwald-Gebiet des Aruwimi nach der Nordspitze des Albert- Sees bei Mahagi, und
2. eine Eisenbahnverbindung etwa von Nyangwe oder Buli in nordöstlicher Richtung nach Kibanga am Tanganjika, etwa 380 km lang,
hcrstellen.
Diese beiden Pläne wurden überholt durch die wichtigeren Aufgaben der Erschließung des mineralreichen Südens, insbesondere des Kalangabezirks; sie traten daher völlig in den Hintergrund gegen die dringlicheren Ausführungen der zweiten Umgehungsbahn Stanleyville—Ponthicrvillc, den Ausbau der Wasserstraße Ponthicr- ville—Kindu und die Herstellung der dritten Umgehungsbahn Kindu— Kongolo; alle diese Bauausführungen erfolgten, wie wir gesehen haben, durch die Regierung für Rechnung der Oberkongobahn-Gesellschaft. Die geplante Verbindung Nyangwe—Kibanga zum Tanganjika ist inzwischen ersetzt worden durch die Querbahn im Lukugatal von Kabalo zum Tanganjikasee, siehe S. 243.
Der Plan der Eisenbahn von Stanleyville zum Albcrtsee wird, nach den Erklärungen des Kolonialministers Rcnkin vom 11. März 1914, wegen des Reichtums der Provinz Obcr-Ituri weiter verfolgt in dem Plane einer Bahn, rund 1000 bis 1100 km, von Stanleyville nach Boga am Südendc des Albcrtsees, zur Grenze von Uganda, nebst einer Zweiglinic nördlich nach dem aussichtsvollen Goldbezirk von Kilo, und einer zweiten, südlich nach dem Albert-Eduard-See; die Kosten werden 125000 bis 140000 Fr./km betragen; die Mittel sind noch nicht bewilligt.
Neben- oder Kleinbahnen.
1. Dampfstraßenbahn in Borna. Sie liegt an der Mündung des Kongo und verbindet im Anschluß an die beiden Landungsbrücken den Stadtteil La Marine mit dem Europäerviertel Le Bourg auf einer Hochebene, 100 m über dem Flusse. Von der Bahn wird als Kuriosum berichtet, daß sie den Gouvernementsbeamten freie Fahrt von den Wohnungen nach dem Amt gewähre; das habe die erfreuliche