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Die nicht deutschen KotoniaUjahnen in Afrika.
das Gebiet von Mosambik nachgesucht und erhalten. Die Portugiesische Regierung hat der Britischen • Zentral-Afrikanischen Gesellschaft am 22. Juni 1912 auf 99 Jahre eine Konzession zum Bau und Betriebe einer in Kapspur herzustellenden Bahn von Port Herald nach Caia am Sambesi, einschließlich der Überbrückung des letzteren, erteilt; der Bau. 113 km Bahn, soll binnen drei Jahren vollendet sein. Die Baugesellschaft hat während des Brückenbaues auf dem Sambesi einen Fährdienst einzurichten. Die größte Steigung der Bahn soll 1:80 nicht überschreiten; kleinster Bogenhalbmesser 200 m; Schienengewicht 30 kg/m. Ebenso erscheint die Herstellung des Bahnbaues südlich des Sambesi, von Beira nach Caia durch die Companhia da .Mozambique neuerdings sichergestellt.
Infolge dieses Planes, dessen Verwirklichung gesichert scheint, haben sich die wirtschaftlichen Aussichten der Schire-Hochlandbahn wesentlich verbessert. Der frühere Plan eines Bahnbaues in Mosambik von Port Herald in östlicher Richtung nach Quelimane, das zwar etwas näher liegt als Beira, dessen Hafen aber wesentlich schlechter ist als der von Beira, dürfte damit wohl sein Ende finden. Die künftige Bahn Fort Johnston— Beira dagegen würde für den südlichen Teil von Deutsch-Ostafrika, der an den Nyassasee angrenzt, bedeutungsvoll werden, solange es an einer deutschen Bahn in das deutsche Nyassaland, wie etwa von Kihva-Kissi- wani aus nach Wiedhafen geplant, fehlt.
Britisch - W estafrika.
1. Sierra Leone.
Für die räumlich beschränkte englische Kolonie (1212 qkm) wurde im Jahre 1893 eine Eisenbahn von der Hauptstadt und dem Haupthafenort Freetown aus in östlicher Richtung ungefähr parallel der Küste beschlossen, um die durch die französische Bahn Konakry—Niger drohende Ablenkung ihres Handels nach Französisch-Guinea möglichst zu verhüten. Die Kolonie nahm zu diesem Zweck eine Anleihe von 22 V 2 Mill. 76 auf, für die erste Baustrecke Freetown -Songotown gewährte die Kronkasse des Mutterlandes eine 3 l / 2 proz. Anleihe. Die Bahn Freetown -Songotown—Rotifunk—Bo—Baiima, 357 km, wurde vom März 1896 bis Juli 1905 mit einer Spurweite von 2Va Fuß engl. = 76 cm vollendet und später im Osten um rund 9 km bis Pendembu verlängert. Die Baukosten haben 19163000 Ji, d. s. rund 53700 76/km, betragen. Der wirtschaftliche Erfolg der Bahn beruht wesentlich darauf, daß sie die palmenreichen Bezirke im Osten des Schutzgebiets zwischen Bö und Baiima erreicht hat (vgl. Karte, S. 198).
Im Anschluß an diese Bahn ist im März 1904 die Sierra-Leone-Berg- bahn zur Verbindung der hochgelegenen Europäerstadt (Hill-Station) mit dem ungesunden Geschäftsviertel von Freetown, 9 l /s'km lang, hergestellt worden; es ist eine Reibungsbahn mit einer durchschnittlichen Steigung von 1:30; ihre Kosten betrugen rund 650000 76, d. s. rund 70000 76/km.