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Die nicht deutschen Kolonialbahnen in Afrika.
Seedampferdienst. Um die durch die Bahn angestrebte Erschließung des Küstengebiets des Viktoriasees durchzuführen, wurde ein regelmäßiger Verkehr auf dem See durch Seedampfer eingerichtet. Zunächst wurden zwei Doppelschraubendampfcr, „Winifrcd“ und „Sy- bil“, von je 600 Registertonnen im April 1903 und Januar 1904 in Betrieb gesetzt. Diese Dampfer sowie der 1907 folgende „Clement Hill' - - 866 Registertonnen — und der noch etwas größere „Nyanza“ vermitteln einen regelmäßigen Dienst zwischen den englischen und den wichtigsten deutschen Stationen des Seegebiets. Der gesamte Dampferdienst ist der Eisenbahnverwaltung angegliedert.
Der Bahnbetrieb konnte nach Beendigung der Baufrachten wesentlich eingeschränkt werden; zurzeit werden wöchentlich 4 Zugpaare durchgehend über die ganze Bahn durchgeführt. Zwischen Mombassa und Nairobi besteht wochentags schon jetzt eine tägliche Zugverbindung. Die größte Fahrgeschwindigkeit beträgt 40 km/Std. Eine Verkürzung der Fahrzeit ist in Aussicht genommen.
Die vorstehende Zusammenstellung zeigt die glänzende Entwicklung des Verkehrs der Bahn nebst Dampferdienst und seiner Erträgnisse vom Jahre 1903 an bis zum Rechnungsjahre 1912 (endigend mit dem 31. März 1913'. In diesem hat der Beiriebsübcrschuß das Anlagekapital bereits mit 3,52 ijin Vorjahr 2,3; v. II. verzinst. Immerhin hatte demnach das Mutterland für den Anleihezinsendienst zu 4 v. II. gerechnet) jahrelang erhebliche Beträge, nahezu 2 Millionen JS, aufzubringen. Bemerkenswert ist die Steigerung der Erträgnisse des Unternehmens durch den Seedampferdienst.
Die Fahrpreise betragen V 32 Rupie f. d. engl. Meile in der niedrigsten Klasse, d. s. 2,6 I’fg. f. d. km; die Zwischenklasse hat den doppelton, die zweite den dreifachen, die erste den sechsfachen Satz; für die drei oberen Klassen gibt es Rückfahrkarten zum iy 2 fachen Preise der einfachen Fahrkarte. Der niedrigste Frachtsatz ist 1 Anna = Vi6 Rupie f. d. t und engl. Meile = etwa 5,3 I’fg. für 1 tkm, ein für afrikanische Verhältnisse sehr niedriger Satz. Daneben bestehen zahlreiche Ausnahmetarife. Die wichtigsten Ausfuhrgegenstände der Bahn sind Elfenbein, Gummi, Felle und Häute, Vieh, Körnerfrüchte, Erdnüsse, Kopra, Pflanzenfasern, Scsamsaat, Bohnen, Reis und Tabak.
Die starke Verkehrssteigerung der letzten Jahre wird die Verwaltung zweifellos in nächster Zeit zu erheblichen Aufwendungen für weitere Fahrzeugbeschaffungen und anderen Maßnahmen zur Steigerung des Betriebes nötigen, die bereits in Aussicht genommen ist.
Weitere Bahn bauten und Pläne im Bezirk der Ugandabahn:
Die Busoga-, die Thika-, die Magadiseebahn,
Zur weiteren Erschließung des britisch-ostafrikanischen Schutzgebiets sind einige neue Eisenbahnen hergestellt, andere noch in der Vorbereitung. Zunächst soll die Ugandabahn unter Benutzung der Wasserstraße des Nils vom Viktoriasee (+1190 nr bis an den Albertsee (+ 680 m) verlängert werden, um das Gebiet des Albertsees leichter erreichbar zu machen. Der Nil bildet bei seinem Austritt aus dem