Druckschrift 
Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

Die nicht deutschen Kolonialbahnen in Afrika.

Britisch - Ostafrika.

Die Ugandabahn 1 ) ist ein koloniales Staatsunternehmen größten Stils, das sich nicht nur von weitreichendem Einflüsse auf das benach­barte Deutsch-Ostafrika erwiesen hat, sondern überhaupt in vieler Beziehung als vorbildlich für kolonisatorische Betätigung und für die Überwindung größter technischer Schwierigkeiten und Hindernisse an­gesehen werden darf. Auch wegen seiner großen wirtschaftlichen Erfolge verdient es besondere Beachtung. Die Bahn ist 940 km lang und verbindet den englischen Hafen Mombassa am Indischen Ozean mit Port Florence oder Kisumu, das am Viktoria-Nyansa in der Bucht von Kawirondo unmittelbar unter dem Äquator liegt. Die Entfernung zwischen den beiden Endpunkten der Bahn ist also etwa 30 km kürzer

-

..inr c

Abb. 51. Ugandabahn. Urwald in den Kikuyu-Bergen.

als der Reiseweg BerlinFrankfurtBaselZürich. Während man diesen aber heute in etwa 15 Stunden zurücklegen kann, braucht man auf der Ugandabahn von Mombassa bis Port Florence 46 Stunden Bahnfahrt.

Die Bahn war von der Regierung ursprünglich geplant, um den Sklavenhandel im Innern Afrikas wirksamer bekämpfen zu können; durch die Anlage der Bahn sollten die Kosten für die Unterhaltung eines Kreuzergeschwaders erspart werden, das zur Überwachung des Sklavenhandels an der Küste bisher erforderlich gewesen war. Der ursprüngliche Plan, die Bahn als leichte Schmalspurbahn her­zustellen, wich bald der Erkenntnis, daß es sich hier um eine Über­landbahn von großer Leistungsfähigkeit handelte, für welche die 1 m-

*) Vergl. den Aufsatz des Verfassers über die Ugandabahn im Xentralbl. der Bauverwaltung 1908, S. 97 ff.